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Full text of "Preussische Kriegslieder von einem Grenadier. [Hrsg. von August Sauer]"

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Gleira,   JohEnn  lAiilhelin  Ludwig 

Preussische  Kriegslisder  von 
eimen  Grenadier 


EÜTSCHE  LITTERATURDENKMALE 

DES  18.  JAHRHUNDERTS 

SÜDRUCKEN  HERAUSGEGEBEN  VON  BERNHARD  SEÜFFERT 

PßEüSSISCHE 

RIEGSLIEDER 

VON  EINEM  GRENADIER 

VON 

I.  W.  L.  GLEIM 


HEILBRONN 
VERLAG   VON  GEBR.   HENNINGER 

.882 


DEUTSCHE 

iL  TEE ATÜR DENKMALE 

DES  18.  JAHHHliNDEETö. 

Die  Sammiung  von  Litl.-aturdenkiodleu  .n-d  seltei 
...liiinalausgabeu  von   deutsclien  Sclinften  des.  18.  Jali 
linud..ri.s  in  Neudrucke»  vorlegen.    Es  Averdeiv  in  derseib* 
au-        Avpvtvollerer    :  etrischen   und   prosakclien   i)iel 
werken  auch  wlQbtige  kriiisciie  Anzeigen  und  Ai-nandM 
ger.  überPoede,  zunä.iist  au,=<  der  Zeit  von  Gotteehed  l 
einseliiiess^licli    zu    de;.   Romautlkeru,    Amuii]ime  finde 
Dicht'incon  von  Bodiiier,  "vvie.Uuu,  v:«iCim,  .-'.SirgCL,  ...ui, 
Müller.  Klinget,  H.  L.  Wagner,  F.  H.  Jacobi  u.  a.  werd. 
sieh  ^röi^sere  oder  kleinere  Milteilungen  aus  der  Brem 
Beiträgen,    den    Schies^^Igischon    L.neraturln-iefoi ,    d 
FianklNirtcr  «elehrtf..  An^ei-ri:,  au.  Bchubarts  Deutseh 
Chronik  u.  s.  f.  ei-ueihen.    Zumeist  genügen  dinloT-oh« 
.-etreno  A'^d.ickc  ^^-m  Bedürftiib^ey  doch  sind  Ausgab 
"i.i  kriti.dir>iii  Appavat  vom  Plane  nicht  auPgeschloss* 
Von  den  Di-uckfehlern   -ler  Vorlage   wird   der  Neudru^ 
grreijdgt  werden;   tyT>ogrAphii.lie  i^achahmung  ^or  U 
ginait^Vird    nieht    aöigestrcbt.     indem   alle   Werte   „ 
/.tiilen7,ähliuig  Terseiien  sein  werden,    maehen  sich   • 
'  i^^^^ben  für  eiugeiiende  Studien,  lexikfiiische  wie  st 
-s^iichtiioüc  Ärbeit(Mv  vorzüglich  ais  Quellen  zu  phiW 

.:Vort?ptzuu(?  auf  Sri'^H^a^s  UD.schl», 


DEUTSCHE  LITTERATURDENKMALE 

DES  18.  JAHRHUNDERTS 

IN  NEUDRÜCKEN  HERAUSGEGEBEN  VON  BERNHARD  SEUFFERT 

PEEUSSISCHE 

KRIEGSLIEDER 

VON  EINEM  GRENADIER 

VON 

I.  W.  L.  GLEIM 


HEILBRONN 
VERLAG   VON   GEBR.  HENNINGER 

1882 


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Druck  von  Fischer  &  Wittig  in  Leipzig. 


Vor  23  Jahren  hat  Heinrich  Pröhle  durch  seinen 
Vortrag  ^Kriegsdichter  des  siebenjährigen  Krieges  und 
der  Freiheitskriege'  (Leipzig  1857,  Jubelausgabe  zur 
Körnerfeier.  Altona  1863)  zum  ersten  Male  wieder  das 
Interesse  für  Gleims  ^Kriegslieder  von  einem  preussischen 
Grenadier'  geweckt,  und  später  in  seinem  Buche  'Fried- 
rich der  Grosse  und  die  deutsche  Literatur'  (Berlin  1872) 
manche  wertvolle  handschriftliche  Beiträge  zu  ihrer 
Würdigung  und  Charakteristik  beigebracht.  Jenes  kleine 
dünne  Duodezbändchen  aber,  in  welchem  sie  zuerst  ge- 
sammelt unter  Lessings  Fahne  in  die  Welt  getreten 
waren,  ist  äusserst  selten  geworden.  Der  ungenaue,  in 
die  vielbändige  Gesammtausgabe  vergrabene  Druck  Körtes 
aus  dem  Jahre  1811  (Gleims  sämmtliche  Werke  Bd.  IV 
S.  1  ff.)  kann  den  heutigen  wissenschaftlichen  Anforderungen 
nicht  mehr  genügen.  Hat  sich  so  ein  Neudruck  der 
Kriegslieder  als  notwendig  ergeben,  so  schien  es  geboten, 
gerade  die  Sammlung  derselben  zu  reproduzieren  und 
nicht  auf  die  Einzeldrucke  zurückzugehen ,  in  denen 
die  Mehrzahl  dieser  Lieder  zuerst  in  Land  und  Lager 
geflattert  waren.  Erst  hier  haben  sie  jene  Gestalt  be- 
kommen, in  der  sie  die  grosse  Wirkung  auf  die  Zeit- 
genossen ausübten  und  die  reiche  Nachfolgerschaft  er- 
weckten. In  jenen  Flugblättern,  die  ich  unten  sorgfältig 
verzeichne,  regt  der  neugeborene  Nestling  schüchtern 
seine  Flügel  und  tastet  noch  am  Boden  hin :  in  der 
Sammlung  erhebt  er  als  kühner  Adler  seine  mächtigen 
schwingen  über  das  Vaterland.  In  jenen  Einzelbogen 
ibt  sich  der  bescheidene  Dichter  der  'Scherzhaften  Lieder', 
1er    mit    Götz    und    Uz    auf    der    Universität   zu    Halle 


nach  dem  Muster  Anakveons  getändelt  und  getrillert  hatte, 
in  einer  ihm  noch  ungewohnten  Dichtart :  jene  Sammlung 
tritt  uns  durchaus  als  eine  gemeinsame  Arbeit  eines 
neugebildeten  Freundeskreises  entgegen,  als  Ausfluss  der 
vereinigten  Thätigkeit  der  jungen  preussischen  Dichter- 
und Musikerschule.  Kleist,  der  ihm  in  seiner  Ode  an 
die  preussische  Armee  den  Weg  gewiesen  hatte,  bietet 
Gleim  in  seinen  Briefen  den  Stoff  und  die  Begeisterung 
dar;  Ramler  tritt  schon  hier  als  Sprachmeister  seiner 
Freunde  auf  und  bessert  anstössige  Worte ;  der  Berliner 
Advokat  Krause,  Gleims  und  Ramlers  Freund,  liefert  die 
Melodien ;  der  Berliner  Kupferstecher  Meil  das  Titelbild 
und  die  Vignetten;  Lessings  Verleger  Christian  Friedrich 
Voss  übernimmt  den  Verlag;  Lessing  endlich,  der  als  der 
eigentliche  Sammler  auftritt,  schreibt  die  Vorrede  und 
drückt  dem  ganzen  Werke  mit  kräftiger  Hand  den  Stempel 
seines  Geistes  auf.  Und  wenn  auch  keine  andere  Lesart  der 
Sammlung  auf  ihn  zurückgienge  als  jenes  'Biete  Frieden 
nun'  Nr.  11  V.  20  in  der  Ansprache  an  Maria  Theresia, 
das  er  mit  genialer  Aenderung  eines  einzigen  Buchstabens 
aus  'Bitte'  korrigierte :  so  hat  er  schon  dadurch  allein 
den  edlen  'Würzruch  seines  Fässleins  drein  gedämpft', 
den  Geist  der  Milde  und  Versöhnung  gebreitet  über  Gleims 
Rachsucht  und  Unduldsamkeit.  Es  ist  der  gleiche  Zug 
von  Humanität  und  Weltbürgersinn,  der  Lessing  bewog, 
in  dem  Gedichte  'Der  Grenadier  an  die  Kriegesmuse  nach 
der  Schlacht  bey  Zorndorf'  auf  Mässigung  und  Milderung 
zu  dringen  ;  zugleich  eine  schöne  Fürsorge  für  Gleims 
Nachruhm:  'Der  Grenadier  soll  und  muss  auf  die  Nach- 
welt denken ;  oder  wenn  er  es  nicht  thun  will,  so  werden 
es  seine  Freunde  für  ihn  thun'  (an  Gleim  14.  IL  59). 
Die  Kriegslyrik  des  siebenjährigen  Krieges  quoll 
reichlich  empor.*)   Als  der  berüchtigte  Job.  Matth.  Dreyer 


*)  Ich  benütze  und  erweitere  im  folgenden  die  ein- 
schlägige Darstellung  in  meiner  Biographie  Kleists,  Werke 
Berlin,  Hempel  Bd.  I.  S.  L  flt. 


die  'Bremer  Beiträge'  fortsetzte  und  beendigte,  gab  er 
als  letztes  Heft  (Bd.  VI.  1759  4,  5,  6  Stück)  eine  Samm- 
lung von  Kriegsliedern  heraus,  —  ein  trauriges  Denk- 
mal poetischer  Armut  und  künstlich  erzeugter  Be- 
geisterung. Die  alten  Odenskelette,  die  man  schon  zu 
tausenderlei  Dingen  missbraucht  hatte,  stopfte  man  jetzt 
auch  einmal  mit  Krieg,  Sieg  und  Ruhm  aus.  Der  Pastor 
Lange,  der  schon  im  zweiten  schlesischen  Kriege  bis 
zur  Unerträglichkeit  gedonnert  und  geflucht  hat,  wärmte 
diese  abgestandenen  Kriegsgedichte  wieder  auf  und  prä- 
sentierte sie  mit  neuer  Garnierung;  aber  der  zwölfjährige 
Winterschlaf  hatte  ihnen  keine  neuen  Kräfte  gegeben. 
Auch  die  andern  Dichter  sangen  aus  der  Entfernung 
über  einen  Krieg,  den  sie  nicht  mitmachten,  über  Dinge, 
die  sie  nicht  kannten ,  am  schönsten  noch  der  junge 
Cronegk  seine  Ode  'Der  Krieg'  bei  Eröffnung  des  Feld- 
znges  (Schriften,  Leipzig  1763,  Bd.  IL  S.  207  ff.),  später 
175S  der  Auricher  Magister  Job.  Heinr.  Schmid  seinen 
'heiligen  Gesang'  unter  demselben  Titel,  dessen  reine, 
schöne  und  edle  Sprache  Herder  stark  überscliätzte  (Werke 
Bd.  XII  S.  278  ff.  454  f.).  Oft  waren  die  Gedichte  nichts 
weiter  als  Schulexercitien ,  so  George  Gottfried  Rogalls 
'Der  Sieg  bei  Praag,  in  der  kgl.  deutschen  Gesellschaft 
besungen.  Den  6.  May  1757  Königsberg',  wie  gleich- 
zeitig der  österreichische  Dichter  Denis  im  Theresianum 
in  Wien  ähnliche  Versuche  unter  seinen  Zöglingen  ver- 
anlasste und  selbst  anstellte:  'Poetische  Bilder  der 
meisten  kriegerischen  Vorgänge  in  Europa'  1760  und  61. 
(Vgl.  Hofmann-  Wellenhof,  M.  Denis.  Innsbruck  1881 
S.  94  ff.)  Die  'Zwei  Kriegslieder  an  die  Unterthanen 
des  Königs  von  einem  preussischen  Officier',  dem  jungen 
Potsdamer  Christ.  Gottl.  Lieberkühn,  welchem  Kleist 
zur  Feldpredigerstelle  im  preussischen  Regiment  Prinz 
Heinrich  verholfen  hatte,  waren  zwar  aus  dem  Felde 
gesungen,  aber  mit  wenig  poetischer  Kunst.  Nicolai 
hatte  sie  zum  grossen  Aerger  des  Verfassers  in  der 
'Bibliothek    der    schönen  Wissenschaften'  tadelnd  ange- 


VI 


zeigt  (Bd.I.  St.  2.  S.404,  1757).  Ein  schwächliches  Gedicht 
von  J.  J.  Ewald  auf  den  Sieg  bei  Weissenfeis  hat  sich  in 
Kleists  und  Herders  Abschrift  erhalten.  In  der  Glogauer 
Schneidersfrau,  Anna  Luise  Karschin  erwachte  damals  das 
poetische  Talent  und  sie  besang  den  Sieg  bei  Lissa  (Glogau 
1757).  Die  Berliner  Bibliothek  besitzt  umfangreiche  Fas- 
cikel  ähnlicherj  meist  anonymer  Sieg-  und  Schlachtgesänge. 
Gleims  'Lieder  eines  preussischen  Grenadiers'  sind 
nach  all  diesen  stammelnden  und  stotternden  Versuchen 
eine  wirkliche  That.  Er  war  nicht  im  Felde ;  aber  er 
dachte  und  träumte  sich  ins  Feld.  Seine  Verbindungen 
mit  mehreren  Militärs,  die  an  verschiedenen  Punkten 
bei  der  Armee  standen ,  machten ,  dass  er  von  allem 
schnell  und  gut  unterrichtet  war.  Er  fing  den  kriegeri- 
schen Geist,  der  ihm  aus  den  enthusiastischen  Briefen 
Kleists  entgegen  wehte,  zwischen  den  Zeilen  auf  und 
condensierte  ihn  zur  poetischen  Phrase.  Immer  bleibt 
es  möglich,  was  Körte  und  andere  behaupten,  dass  er 
bei  einem  Grenadierbataillon  einen  Bekannten  hatte,  der 
ihm  Nachrichten  zukommen  liess.  Die  Märchen  aber, 
die  bis  in  unser  Jahrhundert  fortspuken  (vgl.  Pröhle, 
Friedrich  der  Grosse  S.  59),  dass  der  Dichter  der  Kriegs- 
lieder wirklich  ein  gemeiner  Soldat  gewesen  sei*),  sind 
gegenüber  dem  handschriftlichen  Material  unhaltbar.  Sie 
beweisen  nur,  wie  Gleim  es  verstanden,  seine  Lieder  aus 


*)  Vgl.  Uz  an  Gleim  12.  XII.  61:  'Es  hat  sich  ein  ge- 
wisser Eil,  ein  versprengter  Preiissischer  Korporal,  hier  auf- 
gehalten, der  sich  für  den  Verfasser  der  KrlegsHeder  ausge- 
geben. Er  machte  mit  grosser  Fertigkeit  Verse  und  schrieb 
einen  grossen  Bogen  voll  über  die  Liegnitzer  Affaire.  Es 
kamen  schöne  Sachen  darinn  vor,  von  der  Babilonischen  Hure 
und  dergleichen  biblische  Allusionen.  Es  sollte  unter  dem 
Nahmen  des  Verfassers  der  Kriegslieder  gedruckt  werden  .  .  . 
Er  hat  nachgehends  hieher  gemeldet,  dass  er  Oberst- Lieutenant 
geworden ;  und  nun  wird  nach  ihm  gestrebt,  weil  er  in  hie- 
sigen Landen  einige  tolle  Streiche  begangen.  Er  hat  mich 
bey  seinem  zweymaligen  Hierseyn  nicht  besucht,  welches 
mich  Wunder  genommen  hat.  Glauben  Sie,  dass  Ihr  Grenadier 
nach  Anspach  kommen  würde,  ohne  mich  zu  besuchen  ? ' 


passender  Situation  heraus,  mit  möglichst  getreuer  An- 
lehnung an  die  Details  der  Wirklichkeit  zu  singen.  Er 
wagte  es,  den  König  und  seine  Feldmarschälle  persön- 
lich in  denselben  auftreten  zu  lassen,  sie  vom  Schimmer 
der  Hoheit  entkleidet  rein  menschlich  darzustellen,  ihnen 
Worte  in  den  Mund  zu  legen.  Andererseits  trug  er 
dem  Wunder-  und  Aberglauben  der  Menge  Rechnung 
und  scheute  sich  nicht,  Gott  und  seine  Engel  mit  sicht- 
barer Hand  eingreifen  zu  lassen.  Seine  Begeisterung 
ist  mit  allerlei  Firlefanz  verbrämt :  aber  ein  wahrer 
Kern  echten  Gefühls  lässt  sich  aus  der  Umhüllung  los- 
schälen ;  sein  Patriotismus  verbirgt  sich  unter  der  Maske 
eines  griechischen  Freiheitssängers :  aber  darunter  schlägt 
ein  warm  fühlendes ,  ein  deutsches  Herz ;  sein  Stil  ist 
durch  allerlei  künstliche  Mittelchen  emporgeschraubt : 
aber  seine  Gedichte  sind  wirklich  sangbare  Lieder,  die 
ihren  Weg  zur  Armee,  deren  Stimmung  sie  angeregt 
hatte,  wieder  zurückfanden,  die  man  in  Musik  setzte 
und  unter  die  Trappen  verteilte,  nach  denen  man 
Märsche  komponierte.  Nicht  am  wenigsten  verdanken 
die  Kriegslieder  ihr  volkstümliches  Gepräge  der  glück- 
lichen Wahl  des  Versmasses.  Es  ist  die  Strophe  des 
alten  englischen  Tanz-  und  Kriegsliedes  von  der  Chevy- 
chase,  welches  im  70.  Stück  des  'Spectator'  mitgeteilt 
und  von  Klopstock  in  der  '  Sammlung  der  vermischten 
Schriften  von  den  Verfassern  der  Bremischen  Beiträge' 
1749  V.  Stück  S.  404  ff.  in  drei  Gedichten  nachgeahmt 
und  parodiert  worden  war.  Es  ist  eine  von  den  vielen 
Früchten,  welche  die  Einwirkung  der  englischen  Volks- 
poesie auf  die  deutsche  Dichtung  schon  vor  Herder  und 
Bürger  getragen  hatte.  Das  neue  Versmass,  die  kurze, 
vierzeilige  Strophe  mit  dem  durchgängig  stumpfen  Vers- 
ausgang wurde  rasch  beliebt ;  einer  der  ersten  Versuche 
in  demselben  ist  Gessners  'Lied  eines  Schweizers  an 
sein  bewaffnetes  Mädchen'  in  Bodmers  Crito  1751. 
Gleim  that  einen  Schritt  weiter,  das  Versmass  in  Deutsch- 
land   einzubürgern,    indem    er    ihm    den    Schmuck    des 


Keimes,  den  Klopstock  weggelassen  hatte,  wieder  zurück- 
gab. In  dem  stumpfen  Versscliluss  muss  die  Zeit  etwas 
altertümliches,  heroisches,  kriegerisches  gefühlt  haben 
(vgl.  Quellen  und  Forschungen  XXX,  S.  144  f.),  Lessing 
selbst  vergleicht  ihn  im  Vorberichte  mit  'dem  kurzen 
Absetzen  der  kriegerischen  Trommete'*)  (S.  4  Z.  21  f.) 
und  Gleim  schreibt  an  Uz  (2.  XII.  58):  Der  weibliche 
Schlussreim  scheine  ihm  zum  Ausdruck  männlicher  Ge- 
danken allzuweichlich.  Das  Versmass  ist  es  haupt- 
sächlich, das  sich  durch  die  vielen  Nachahmungen  der 
Kriegslieder  von  Chr.  Fr.  Weisses  'Amazonen -Lieder' 
(Leipzig  1762),  die  sich  auch  in  Format  und  Ausstattung 
an  Gleim  anlehnen,  und  von  Gerstenbergs  'Kriegslieder 
eines  königl.  dänischen  Grenadiers  bey  Eröffnung  des 
Feldzuges'  (Altona  1762)  bis  zu  Lavaters  'Schweizer- 
liedern' (Bern  1767)  und  sogar  bis  zur  Lyrik  der 
Freiheitskriege,  bis  zu  Stägemann  verfolgen  lässt  (Pröhle, 
Kriegsdichter  S.  7).  Als  Gleim  dieses  Versmass  aufgab, 
war  es  mit  der  Popularität  seiner  Lieder  vorbei.  In 
dem  Gedichte  '  Der  Grenadier  an  die  Kriegesmuse '  macht 
er  den  unglücklichen  Versuch,  das  Kriegslied  zu  einer 
höheren  epopöenartigen  Gattung  fortzubilden.  Dies  ist 
ihm  gänzlich  misslungen.  Er  wählt  nach  ßrawes  Vorgang 
im  'Brutus'  und  nach  Kleists  Muster  im  'Cissides  und 
Faches'  den  von  Lessing  angeregten  fünffüssigen  reim- 


*)  Vgl.  Der  Zuschauer.  Aus  dem  Engländischen  über- 
setzet. Zweyte  verbesserte  Auflage.  Leipzig,  1750  Bd.I.  S.  341. 
(70.  Stück):  'Das  alte  Lied  von  der  Chevy- Chase  ist  das  be- 
liebteste Tanzlied  des  Volkes  in  England:  und  Benj.  John- 
son pflegte  zu  sagen,  dass  er  es  lieber  gemacht  haben  möchte, 
als  alle  seine  Werke.  Herr  Philipp  Sidney  spricht,  in  seiner 
Abhandlung  von  der  Poesie,  folgendermassen  davon:  Ich 
habe  das  alte  Lied  von  Piercy  und  Douglas  niemals  singen 
gehört,  dass  ich  nicht  gefühlet  hätte,  wie  mein  Herz  dadurch 
weit  mehr,  als  durch  eine  Trompete  beweget  worden:  ob 
es  gleich  von  manchem  blinden  Fiedler  mit  einer  eben  so 
rauhen  Stimme,  als  grob  die  Schreibart  darinnön  ist,  ge- 
sungen wurde. ' 


losen  lambus  mit  stumpfem  Schluss  und  freiem  Enjam- 
bement (vgl.  Sitzungsberichte  der  phil.  bist.  Classe  der 
kais.  Akademie  der  Wiss.  XC  S.  672  flf.).  Die  vielen 
Unannehmlichkeiten,  die  ihm  das  Lied  bereitete,  haben 
ihm  eine  Fortsetzung  in  dieser  Richtung  verleidet. 

Gleims     'Kriegslieder'     müssen     wol     zurückstehen 
hinter  den  schönen  Sangesblüten,   welche  die  Freiheits- 
kriege in  deutschen  Herzen  hervorzauberten :  durch  einen 
Vergleich  mit  der  Kriegslyrik  des  Jahres  1870  könnten 
sie    nur    gewinnen.      In    der    gleichzeitigen    Lyrik    des 
siebenjährigen    Krieges    nehmen    sie    einen    hohen  Rang 
ein.     Auch    wenn    wir    die  Volkslieder   mit  einbeziehen. 
Ich  kann  nicht  mit  Ditfurth  (Die  historischen  Volkslieder 
des    siebenjährigen  Krieges,    Berlin    1871,    S.  9)    bloss 
'hohle    Wortfechterei ',    bloss    'Gesuchtes,   Schwülstiges, 
Gemachtes'  in  Gleims  Liedern  finden.     Gewiss  entbehrt 
diese  Kunstpoesie    das   innige  und  sinnige,    das  gerade 
einige  Volkslieder  jener  Zeit  auszeichnet,  aber  Ditfurths 
Sammlung    beweist    selbst,    wie  wenige  solche  wahrhaft 
schöne  Lieder  aus  der  Masse  hervorleuchten.    Auch  Un- 
geheuerlichkeiten, wie  das  Bluttrinken  Nr.  3  V.  9  stehen 
nicht  vereinzelt ;    man   vergleiche  Kleists   '  Cissides   und 
Faches'  3.  Gesang,  Vers  53  f.  (Werke  Bd.  I,  S.  260),  und 
gerade    dieses  Gedicht    war    im  Kreise  der  Armee   sehr 
beliebt ;    eine    Strophe    aber    wie    die    folgende    auf   die 
Schlacht  bei  Zorudorf  (Ditfurth  S.  9,  69) : 
Ach,  du  grosse  Kaiserin, 
Seynd  das  deine  beste  Trümpfe, 
Dass  du  solches  Raxibgesind 
Schickest  her?  Das  ist  zum  Schimpfe 
Für  dich  selbst,  und  rechte  Schand 
Ehrlichem  Soldatenstand, 
sagt  ganz  dasselbe  wie   Gleims  Verse  Nr.  12  V.  198  f., 
nur  offener,  ehrlicher  und  unverblümter.    Das  eine  muss 
zugegeben  werden,    dass  die  Achtung    vor  dem  Gegner 
in  den  Volksliedern,  die  in  der  Armee  selbst  entstanden 
sind,  eine  grössere  ist    als  in  unserer  Sammlung,    trotz 
Lessings  milderndem  Einfluss.    In  dieser  Beziehung  mu^s 


sogar  der  sonst  nicht  hoch  stehenden  österreichischen 
Kriegslyrik  unbedingte  Hochachtung  vor  Friedrich  dem 
Grossen  nachgerühmt  werden,  die  alle  diese  Dichter, 
auch  die  roheren,  beseelt.  (Vgl.  Dr.  H.  M.  Richter, 
Österreichische  Volksschriften  und  Volkslieder  im  sieben- 
jährigen Kriege.  Wien  1869  und  W.  v.  Janko,  Laudon 
im  Gedichte  und  Liede  seiner  Zeitgenossen.    W^ien  1881.) 

Wir  können  an  der  Hand  des  Briefwechsels  zwischen 
Gleim  und  seinen  Freunden  die  Entstehung  der  einzelnen 
Lieder  verfolgen  und  die  Veränderungen  des  Textes  dar- 
legen, die  sie  bis  zur  Veranstaltung  der  von  uns  zu 
Grunde  gelegten  Drucke  erfahren  haben.*) 

Gleim  dachte  eine  Zeit  lang  daran,  der  Geschichts- 
schreiber des  siebenjährigen  Krieges  zu  werden  und 
seine  Freunde  munterten  ihn  dazu  auf.  Zu  diesem  Zwecke 
verlangt  er  von  Kleist  detaillierte  Berichte  und  Pläne, 
zum  erstenmale  nach  der  Schlacht  bei  Lowositz  (5.  X.  56) ; 
damals  muss  der  Gedanke  in  ihm  aufgetaucht  sein, 
Lieder  auf  Friedrich  den  Grossen  zu  dichten.  In  einem 
Briefe  an  Uz  (19.  XU.  56)  lesen  wir:  ^Sie,  mein  liebster 
Uz,  Sie  allein  von  allen  unsern  Poeten  solten  den  Held 
bey  Lowositz  besingen.  Wenn  Sie  überzeugt  sind,  dass 
unser  Friederich  den  gerechtesten  Krieg  führt,  der  je- 
mahls  geführt  ist,  und  davon  müssen  Sie  überzeugt 
seyn,  so  solten  Sie  auf  ihn  die  Ode  singen,  die  Horaz 
auf  den  August  sang,  als  Er  —  Ich  will  gleich  die  Ode 


*)  Den  Briefwechsel  zwischen  Lessing  und  Gleim  eitlere 
ich  nach  Redlichs  Sammlung  im  20.  Bande  der  Hempelschen 
Ausgabe,  den  zwischen  Gleim  und  Kleist,  der  den  2.  und 
3.  Band  meiner  Kleistausgabe  bilden  wird,  genau  nach  den 
Originalen,  auch  in  der  Orthographie,  die  dort  nach  modernen 
Grundsätzen  geregelt  werden  musste ;  ebenso  Gleims  Brief- 
wechsel mit  Uz  und  die  andern  ungedruckten  Briefstellen.  Es 
gereicht  mir  zur  Freude  auch  an  dieser  Stelle  der  Verwal- 
tung der  Gleimschen  Familienstiftung  in  Halberstadt  und  dem 
Bibliothekar  derselben  Herrn  Seminarlehrer  E.  Jaenicke  meinen 
wärmsten  Dank  für  die  mir  zur  Verfügung  gestellten  Manu- 
skripte und  Bücher  aussprechen  zu  können. 


XI 


aufsuchen.  Es  ist  die  14*^  des  4*^°  Buclis.  Quae  cura 
patrum  etc.  Es  ist  keine  Zeile  darin,  die  nicht  auf 
unsern  Held  passt.  Sine  clade  victor  war  er  bey  Eiu- 
schliessung  der  Sachsen.  Ein  Poet  sollte  sich  mercken, 
dass  Osterreichische  Überläufer  gesagt  haben,  über  dem 
Berge,  worauf  der  König  gehalten  hätte,  die  Schlacht 
zu  übersehen,  und  Befehle  zu  ertheilen,  hätte  ein  Engel 
geschwebt ;  imgleichen  dass  würklich  während  der 
Schlacht  ein  Ungewitter  entstanden,  und  gleichsam  den 
weichenden  Feinden  nachgezogen ,  und  über  denselben 
big  in  die  späte  Nacht  gedonnert  hätte ! '  Es  sind  die 
Grundzüge  des  späteren  Siegesliedes  auf  diese  Schlacht; 
der  Ausdruck  klingt  sogar  wörtlich  an  Nr.  2,  V.  125  f. 
an.*)  Ich  möchte  aber  doch  nicht  glauben,  dass  das 
Gedicht  damals  schon  entstanden  sei,  obgleich  es  Lessing 
in  seiner  Recension  (.Voss.  Ztg.  11.  III.  58,  Werke  Bd.  XII, 

5.  634)  'das  allererste  von  seinen  Siegesliedern'  nennt; 
vollendet  ist  es  jedenfalls  erst  ein  Jahr  später. 

Die    Eröffnung    des    Feldzuges    im    Frühjahr    1757 
und  die  siegreiche  Schlacht   vor  den  Mauern  Prags  am 

6.  Mai  rief  allenthalben  die  wärmsten  Sympathieen  für 
die  Armee  und  ihre  Anführer  wach.  Und  jetzt  be- 
gannen auch  die  Dichter  ihre  Leier  zu  stimmen.  Kleist, 
der  damals  als  Major  in  Leipzig  Garnisonsdienste  leisten 
musste,  allen  voran.  Schon  am  3,  Mai  ist  seine  'Ode 
an  die  preussische  Armee'  gedichtet,  am  8.  schon  ge- 
druckt (Werke  I,  S.  100  f.),  an  demselben  Tage  ist 
Lessings  prosaische  'Ode  an  den  König'  fertig,  am 
12.  schickt  er  sie  an  Gleim  (Werke  Bd.  XX,  1,  S.  109  f., 
vgl.  Anz.  f.  deutsches  Altertum  VI,  S.  176  f.).  Hier  liegt 
die  Anregung  für  Gleim;  hinter  dem  'Sachsen'  Lessing 
will  er,  der  gute  Preusse,  nicht  zurückstehen  und  die 
Ode  war  au  ihn  gerichtet ;  es  hiess  doch  darin  :  '  Dir 
fehlt  weder  die  Gabe,  den  Helden  zu  singen,  noch  der 


*)  Den  Engel,  der  über  dem  Schlachtfeld  schwebt,  hat 
Gleim  später  No.  10,  V.  147  flf.  benützt. 


Held.  Der  Held  ist  Dein  König  !  .  .  .  Singe  ihn,  Deinen 
König  !  ,  .  .  .  Singe  ihn  an  der  Spitze  seines  Heers ,  an 
der  Spitze  ihm  ähnlicher  Helden,  so  weit  Götter  den 
Helden  ähnlich  sein  können.'  Bald  darauf  werden  die 
beiden  Lieder,  Nr.  3  nnd  Nr.  5,  der  'Schlachtgesang  bey 
Eröfnung  des  Feldznges  1757'  und  das  'Siegeslied  nach 
der  Schlacht  bey  Prag'  entstanden  sein.  Ich  glaube, 
das  letztere  zuerst :  es  ist  unvergleichlich  frischer  als 
alle  anderen,  es  haftet  ihm  jener  undefinierbare  Reiz 
an,  den  nur  Erstlingsversuche  in  einer  bestimmten  Gat- 
tung aufweisen,  zumal  den  ersten  Strophen.  Auch  ist 
dieses  Lied  Nr.  5  zuerst  im  Druck  erschienen  und  bei 
einer  Aufzählung  in  einem  Briefe  an  Uz  (16.  VHI.  57) 
setzt  Gleim  dieses  zuerst :  '  Nebst  dem  Siegeslied  nach 
der  Schlacht  vor  Prag  sind  verschiedene  von  gleicher 
Schi-eibart  zum  Vorschein  gekommen,  als  'Marschlied 
der  Preussen'  (gemeint  ist  jedenfalls  Nr.  3),  'Siegeslied 
nach  der  Schlacht  bey  Collin'  (Nr.  6)  etc.'  Es  kann 
den  Einfluss  der  prosaischen  Ode  Lessings  nicht  ver- 
leugnen;  an  deren  achten  Absatz  'Singe  ihn  im  Dampie 
der  Schlacht,  wo  er,  gleich  der  Sonne  unter  den  Wolken, 
seinen  Glanz,  aber  nicht  seinen  Einfluss  verlieret'  er- 
innert Nr.  5  V.  39  f.,  au  deren  neunten  Absatz  'Singe 
ihn  im  Kranze  des  Siegs,  tiefsinnig  auf  dem  Schlacht- 
felde, mit  thränendem  Auge  unter  den  Leichnamen  seiner 
verewigten  Gefährten'  Nr.  5  V.  25  f.  Das  Lied  erschien 
in  zwei  gleichlautenden  Einzeldrucken : 

Siegeslied  der  Preussen  |  Nach  der  Schlacht  bey 
Prag  I  Den  6*^""  May  1757.  |  Im  Lager  vor  Prag 
1757.  I  4  Bl.    40  und 

Sieges -Lied  j  der  |  Preussen,  |  nach  der  Schlacht  bey 
Prag.  I  Berlin,  |  1757.  |  4  Bl.  4«; 
nach  dem  ersten  Drucke  hat  es  Lessing  in  der  'Biblio- 
thek der  schönen  Wissenschaften  und  der  freien  Künste' 
Bd.  L  St.  2  (1757),  S.  426 — 429  wiedergegeben,  nur  dass 
er  in  Vers  56  den  Namen  'Theresia'  blos  andeutete: 
Th***  (Werke  Bd.  XII,  S.  651  f.).     Die  Abweichungen 


dieser  Einzeldrucke  von  dem  Texte  unserer  Sammlung  sind 
gering:  Nr.  5  V.  13  Mit  muntrer  jugendlicher  Kraft  | 
V.  15  Und  hielt  sie  hoch  an  ihrem  Schaft,  |  V.  22  sank] 
fiel  I  V.  23  Ha !]  0,  I  V.  25  Vielleicht  hat  Friedrich  dich 
beweint,  |  V.  35  Sein  Schwerd  ward  roth,  auf  |  V.  36 
dick]  schwarz  |  V.  43  Erblickte,  schwarz  von  Rauch 
und  Dampf,  |  V.  47   Er  zittert  nur  vor  | 

Den  'Schlachtgesang  bey  Eröfnung  des  Feldzuges 
1757'  schickt  Lessing  scherzhafter  Weise  als  litterarische 
Neuigkeit,  die  er  von  Berlin  erhalten  habe,  am  14.  Juni 
1757  an  Gleim  (Lessiugs  Werke  Bd.  XX,  1.  S.  112)  mit 
folgenden  älteren  Lesarten :  Nr.  3  V.  3  Ist  auf  und  winkt 
uns  in  das  Feld,  |  V.  1 1  f.  Du  Ungar !  Merseburger  Bier 
Soll  dann  verschmähet  sein.  |  Lessing  knüpft  an  diese 
zwei  Verse  die  Bemerkung:  'Das  einzige  Merseburger 
Bier  will  mir  nicht  recht  zu  Halse!  Wenn  der  tapfre 
Dichter  nicht  seit  der  Zeit  geblieben  ist  und  ich  ihn 
jemals  kennen  lerne,  so  soll  er  mir  diese  Zeile  ändern 
müssen.  Mit  der  alten  Lesart  soll  das  Lied  alsdann 
im  Lager  und  mit  der  neuen  auf  dem  Parnasse  ge- 
sungen werden.'  Gleim  folgt  dem  Rate  des  Freundes 
und  schlägt  im  Briefe  an  Kleist  vom  28.  Juli  1757  vor 
zu  lesen  :  '  Unser  Feldpanier  Soll  eine  Flasche  sein ' ; 
worauf  Kleist  (11.  VHI.  57)  antwortet:  'Die  Verbesserung 
der  Stelle  vom  Merseburger  Bier  ist  .  .  .  schön,  aber  sie 
muss  heissen  :  soll  solche  Flasche  sein'  (vgl.  Anz. 
f.  deutsches  Altertum  VI,  S.  1 78).  Mit  dieser  Lesart  Hess 
Lessing  das  Gedicht  in  der  'Bibliothek'  vor  Nr.  5  ab- 
drucken mit  der  ausdrücklichen  Bemerkung,  dass  es 
ihm  '  nur  geschrieben  zu  Händen  gekommen '  sei.  Der 
Text  stimmt  mit  dem  unserer  Sammlung  ganz  überein, 
nur  dass  auch  hier  in  Vers  16  die  Namen  nicht  aus- 
geschrieben sind :  'Th***  undB*?'  Am  21.  September 
1757  gibt  Lessing  dem  Halberstädter  Dichter  von  diesem 
Druck  Nachricht  (Werke  Bd.  XX,  1,  S.  134).  Einen  Einzel- 
druck kenne  ich  nicht. 

Nun  tritt  eine  längere  Pause  in  dieser  Production 


ein;  bis  die  Schlacht  bei  Rossbach  (5,  XI.  57)  einen 
neuen  und  diesmal  energischeren  Anstoss  giebt.  Schon 
am  14.  November  sehen  wir  die  Ideen  zu  dem  Gedichte  in 
einem  Briefe  an  Kleist  auftauchen :  'Den  Augenblick  lese 
ein  Schreiben  von  dem  Grenadier,  der  die  Siegeslieder 
gesungen  hat.  Er  ist  lauter  Wuth,  lauter  Dithyrambus  — 
Wir  ruhen  nicht,  sagt  er,  die  Fr[anzosen]  müssen  fort, 
oder  sie  sollen  alle  auf  dem  Bajonette  tanzen,  zwölf 
Mann  hoch  lagen  sie,  wir  stampften  über  sie  her,  sie 
lagen  auf  den  Bäuchen,  und  baten  Pardon ;  wir  gaben 
ihn,  du  magst  leben,  du  Hund  !  aber  ehre  die  Preussen 
—  der  Teufel  soll  die  Hunde  holen ,  wenn  sie  noch 
einmal  meine  Scheune  plündern  —  In  solchem  Thon 
lautet  sein  Schreiben  von  einem  ganzen  Bogen  —  Wenn 
es  wahr  ist,  was  er  sagt,  so  müssen  nicht  Ein  Tausend 
Todte,  sondern  Zehn  Tausend  auf  dem  Platz  geblieben, 
und  zwanzig  Tausend  gefangen  seyn  — .'  Man  vergleiche 
damit  nur  Nr.  9  V.  2 1 9  f. :  'Auf  ihren  Bäuchen  lagen  sie, 
Und  baten  Leben' ;  auch  später  hat  Gleim  gerade 
von  diesem  Liede  immer  behauptet,  es  sei  nur  ein  Brief 
des  Grenadiers  in  Verse  gebracht  (an  Kleist  6.  I.  58). 
Er  trägt  durch  das  Gedicht  auch  einem  Wunsche  Lessings 
Rechnung,  der  verlangt  hatte,  'der  Grenadier  könte 
nun  woll  einmal  ein  lustig  Stückchen  singen'  (Kleist  an 
Gleim  8.  XI,  57).  Am  3.  Dezember  ist  es  fertig,  am 
8.  Dezember  ist  es  in  Lessings  Händen,  der  es  Kleist 
mittheilt.  Die  Freunde  loben  und  bewundern  im  all- 
gemeinen, ohne  im  einzelnen  mit  dem  Tadel  zu  kargen. 
Die  Mischung  zwischen  Ernst  und  Scherz  machte  einen 
guten  Eindruck.  'Er  ist  so  erhaben,  so  naif  und  hie 
und  da  so  burlesque,  wie  ich  gar  nicht  weiss  —  schreibt 
Kleist  (9.  Xn.  57)  —  Die  Kupferstiche  vom  Hogarth 
zum  Hudibras  sind  nicht  so  burlesque  als  Ihre  Gemähide 
der  Franzosen  und  Reichstruppen.  Wenn  Sie  gar  nichts 
als  dies  Stück  gemacht  hätten,  so  wären  Sie  ein  un- 
sterblicher Mann'.  Lessing  schliesst  sich  am  12.  mit 
dem  Ausrufe  an :    '0,  was  ist  unser  Grenadier   für   ein 


XV 


vortrefflicher  Mann  !  Ich  kann  Ihnen  nicht  sagen,  wie 
gut  er  seine  Sachen  gemacht  hat !  .  .  .  Zu  einer  solchen 
unanstössigen  Verbindung  der  erhabensten  und  lächer- 
lichersten  Bilder  war  nur  er  geschickt!'  Getadelt  wurden 
von  den  Freunden  besonders  drei  Stellen,  um  deren 
Änderung  'seine  zwei  Bewunderer  den  Grenadier  recht 
höflich  bitten'.  9,17  mnss  im  Manuscript  'Kugeldouner' 
gestanden  haben;  im  Briefe  an  Kleist  vom  12,  Dezember 
1757  setzt  Gleim  dafür  'Pulverdonner',  wie  wir  jetzt 
lesen.  9,52  war  Kleist  das  'Morgenbrod',  das  die  Soldaten 
kochen,  anstössig.  Das  Hesse  der  Grenadier  'gerne  stehen, 
wenn  man  es  nicht  tadelte  —  erwidert  Gleim  —  ich 
habe  ihm  selbst  schon  eine  Erinnerung  dabey  gemacht, 
aber  er  schrieb  mir :  Sie  werden  ja  im  Lager  vor  Prag 
gesehen  haben,  dass  der  Soldat  Morgenbrod  kocht.  Und 
dann  schickt  sich  ein  halb  burlesquer  Ausdruck  in  solch 
Gedicht  —  Aber  wenn  ich  ihm  sagen  werde,  dass  Sie, 
mein  liebster  Kleist,  das  gekochte  Morgenbrod  nicht  leiden 
können,  so  wird  er  es  gleich  ausstreichen.'  Man  darf 
daran  erinnern,  dass  es  in  Gleims  autobiographischen 
Fragmenten,  die  lange  nach  Kleists  Tod  niederge- 
schrieben wurden,  heisst :  'Auf  dem  weissen  Berge  kochte 
Gleim  seinem  Kleist  in  einem  Brattiegel  eine  Suppe ; 
Coramisbrod,  Wasser  und  ein  wenig  Butter  waren  die 
Bestandteile.  Sie  schmeckte  den  beiden  Freunden  vor- 
trefflich.' So  blieb  denn  das  'Morgenbrod'  auch  stehen. 
Gewichtiger  waren  Leasings  und  Kleists  Einwen- 
dungen gegen  eine  andere  Stelle  9,  93 — 96.  Wie  diese 
Strophe  im  ersten  Manuskript  gelautet  hat,  lässt  sich 
nicht  deutlich  ersehen.  Aber  soviel  ist  klar,  dass  statt 
'Keith'  der  'Prinz  Heinrich'  genannt  war;  man  fand 
eine  Zweideutigkeit  darin,  die  um  der  Leute  willen  un- 
umgänglich geändert  werden  müsse.  Gleim  gab  das  zu 
und  machte  mehrere  Besserungsvorschläge,  die  ihm  mehr 
Mühe  bereiteten  als  ein  neues  Siegeslied;  am  19.  Dezember 
meint  er,  am  besten  sei  es,  jeden  Namen  wegzulassen 
und   bloss  zu  schreiben :    'Als    aber   plötzlich   vor  uns 


her  I  Ein  Tapfrer  Feuer  rief  |  Und  Feuer  war,  o  da  war 
Er  I  Der  erste  welcher  lief.  |  Vorher  aber  am  12,  Dezember 
hatte  er  als  des  Grenadiers  Verfügung  an  Kleist  mit- 
getheilt :  'Die  Zeile  War  er  der  erste,  welcher  lief 
hat  er  durch  den  Ausruf  Der  Tapfre!  zu  heben  ge- 
sucht' und  hinzugefügt:  'Er  mag  den  Pr[inzen]  Heinrich 
lieber  gar  auslassen  und  einen  andern  an  die  Stelle 
setzen,  der  Feuer!  gerufen  hat'.  Dieser  Anordnung 
gemäss  verfuhr  Kleist,  als  er  das  Gedicht  auf  eine 
schüchtern  vorgebrachte  Bitte  Gleims  hin  in  Leipzig 
drucken  liess.  Am  19.  Dezember  schreibt  er  dem  Freunde 
darüber :  '  Die  Stelle  —  —  habe  ich  Keith  adressiert, 
der  ein  wahrer  Held  ist  und  sie  verdient,  der  dem  Tode 
mit  kaltem  Blute  braviert  und  der  keine  Zweydeutigkeit 
suchen  wird,  wo  keine  ist,  und  bey  dem  sie  auch  nicht 
so  viel  zu  bedeuten  hat.  Morgen  wird  es  fertig,  und 
ich  will  es  Ihnen  dann  übersenden.'  Gleims  oben  er- 
wähnter Änderungsvorschlag  im  Briefe  von  demselben 
Tage  kam  also  zu  spät.  Ebenso  sein  Wunsch,  dass  in 
der  vorletzten  Zeile  9,  251  statt  'zu  schlagen  einen 
andern  Feind'  geschrieben  werde  'zu  schlagen  unsern 
grossen  Feind',  wie  es  im  ursprünglichen  Koncepte  ge- 
heissen  habe,  und  dass  auf  den  Titel  'Merseburg  den 
j2ten  November  1757'  gesetzt  Averde.  Dieser  durch 
Kleist  in  Leipzig  veranstaltete  Druck  hat  sich  bis 
jetzt  noch  nicht  wieder  gefunden*}  (vgl.  auch  Pröhle, 
Friedrich  der  Grosse,  S.  68.  Anm.);  Gleim  aber  hat  die 
Änderung  des  Freundes,  auf  die  er  sehr  begierig 
war,  acceptiert.  Er  hatte  es  zuerst  in  Halle  drucken 
lassen  wollen,  sich  aber  mit  dem  dortigen  Bachhändler 
nicht  einigen  können,  in  Halberstadt  hatte  er  es  der 
Franzosen  wegen  nicht  gewagt;  die  Leipziger  Ausgabe 
ist  ihm  daher  sehr  willkommen.     Die    folgende  Berliner 


*)  Einen  flüchtigen,  bis  zur  Sinnlosigkeit  fehlerhaften,  mit 
der  Berliner  Ausgabe  übereinstimmenden  Druck  ohne  Ort  kann 
ich  nicht  dafür  halten. 


XVll 


Ausgabe    ist    höchst    wahrscheinlich    ein    Abdruck    der 
Leipziger : 

Sieges -Lied  |  der  |  Preussen,  |  nach  der  Schlacht  bey 
Rossbach.  I  Berlin,  |  1757.  |  12  Bl.  4^. 
(Vgl.  Lessings  Recension  in  der  Voss.  Ztg.  7.  L  58. 
Werke  Bd.  XII,  S.  632  f.1  Er  weicht  von  dem  Text  unserer 
Sammlung  nur  in  folgenden  Stellen  ab :  9,  46  Und 
bracht  den  grossen  Tag,  |  59  Von]  Und  |  94  Der  Tapfre! 
Feuer  rief,  |  95  Feuer  ward ;  |  252  ziehn.]  fliehn.  | 
Ausserdem  fehlen  die  Verse  173—188  und  197—208, 
wodurch  das  Gedicht  einen  ungleich  rascheren  Gang 
und  eine  schönere  Abrundung  hat  als  in  der  späteren 
Fassung.  Bei  der  Einschaltung  mag  ihn  das  Bestreben 
geleitet,  haben,  keine  der  deutschen  Provinzen  zu  ver- 
kürzen ;  zu  den  Strophen  vom  Müustermanu  und  CöUner 
201 — 208  liess  er  sich  von  dem  Domdechant  Spiegel 
verleiten;  am  1.  Februar  1758  sendete  er  sie  an  Lessing, 
weist  ihnen  aber  einen  andern  Platz  an,  als  sie  jetzt 
einnehmen.  Uz  hat  ein  ganz  richtiges  Gefühl  geleitet, 
wenn  er  schon  von  der  ersten  Fassung  urteilte  (13.  III.  58): 
'  Wenn  Sie  ...  die  deutschen  Völker  weggelassen  hatten, 
so  glaube  ich,  dass  Ihr  Lied  am  Plan  viel  gewonnen  hätte.' 

Bald  nach  Vollendung  von  Nr.  9  muss  Nr.  8,  das 
'Herausforderungslied  vor  der  Schlacht  bey  Rossbach', 
entstanden  sein.  Dies  ist  wol  der  'Rossbachsche  Schlacht- 
gesang', den  Gleim  im  Briefe  an  Kleist  (23.  XII.  57) 
erwähnt.  Er  wird  ihn  kurz  vorher  an  Lessing  geschickt 
hjiben,  die  betreffenden  Briefe  sind  verloren.  Einen 
Einzeldruck  hat  es  wol  nicht  davon  gegeben. 

Jetzt  wird  das  'Siegeslied  nach  der  Schlacht  bey 
Lowositz ',  Nr.  2 ,  hervorgesucht  und  vollendet.  Am 
23.  Dezember  ist  das  'Mittelstück'  Kleist  schon  bekannt; 
am  26.  wird  'Kopf  und  'Schwanz'  als  Weihnachts- 
geschenk nachgesendet.  Auch  hier  gab  es  eine  Stelle, 
an  der  die  Freunde  Anstoss  nahmen,  über  die  viel 
hin  und  lier  geschrieben  wurde  und  die  sogar  den 
Druck  verzögerte  :   '  Die  Trommel,  worauf  der  Held  sass 

b 


XVIII 


[2,  17]  raiiss  wegbleiben  —  verlangt  Kleist  ganz  ent- 
schieden (4.  I.  58)  —  Meinetwegen  möchte  sie  nicht  weg- 
bleiben ;  denn  sie  hat  das  erste  Mal,  als  ich  die  Stelle 
las ,  nicht  zum  Lachen  bewegt ;  aber  es  gibt  gar  bos- 
hafte Menschen  in  der  Welt,  sie  könnten  über  andere 
Neben -Ideen,  die  ihnen  dabei  einfielen,  lachen,  und 
Ihnen  .  .  .  den  Ausdruck  übel  auslegen.'  Gleim  gibt  ihm 
Recht  (6.  I.  58):  'es  giebt  Narren,  welchen  der  Held 
auf  der  Trommel  anstössig  seyn  könte ;  zwar  müsste 
und  würde  er  es  in  historischer  Erzählung  nicht  seyn  ; 
denn  es  ist  wahr,  dass  der  König  in  der  Nacht  vor  der 
Schlacht  bey  Lowositz  sich  auf  eine  Trommel  nieder- 
gesetzt hat,  welches  ich  mit  dem  Briefe  eines  Augen- 
zeugen beweisen  kann,  wie  denn  in  allen  Liedern  kein 
Umstand  ist,  den  ich  nicht  aus  Briefen  oder  Erzählungen 
der  besungenen  Helden  genommen  habe  ....  Aber,  wie 
gesagt,  es  giebt  Schöpse,  mit  welchen  man  dumm  sein 
muss,  und  um  deren  willen  wollen  wir  die  Trommel  in 
einen  Hügel  verwandeln  und  so  setzen:  'Auf  einem  Hügel 
sass  der  Held'.  Das:  'sprang  auf  von  seinem  Helden- 
sitz' [2,  29]  verliehrt  zwar  seine  Stärcke ;  aber  es  mag 
so  bleiben.'  Diese  Änderung  befriedigte  aber  Kleist 
keineswegs.  Er  poltert  noch  am  27.  Januar  1758: 
'Die  Trommel!  die  Trommel!  Ich  denke  dabey  immer 
an  das  Barbierbecken  im  Don  Quixote,  und  die  mechante 
Welt  könte  noch  ärger  denken.  Der  Hügel  bessert 
nichts ;  ich  wollte,  dass  gar  nicht  daran  gedacht  würde, 
ob  ein  Held  sässe  oder  ginge  etc.'  So  Hess  ers  denn  dabei 
bewenden.  Am  6.  Februar  1 758  kann  Lessing  melden,  dass 
das  Gedicht  unter  der  Presse  sei  und  dass  die  Trommel 
stehen  bleibe:  'der  Oberstwachtmeister  hat  es  erlaubt.' 
Am  11.  März  zeigt  es  Lessing  an  (Werke  Bd.  XII,  S.  634  f.) : 
Sieges -Lied  |  der  |  Preussen,  |  nach  der  Schlacht  bey 

Lowositz,  I  den   1*«°  October  1756.  |  Berlin,  1758.| 

8  Bl.    4  0 
ohne  Variante  vom  späteren  Texte. 

Am  5.  Dezember  war  die  Schlacht  bei  Leuthen,  oder 


XIX 


wie  sie  Friedrich  nannte,  bei  Lissa  geschlagen  worden. 
Schon  am  12.  fordert  Lessing  den  Grenadier  auf,  auch 
auf  diesen  Sieg  etwas  zu  machen;  am  19.  spielt  Gleim 
darauf  an,  dass  er  das  Lied  in  der  Arbeit  habe,  am 
26.  citiert  er  bereits  Vers  2 — 20,  am  9.  Januar  1758 
ist  es  fertig  und  er  teilt  Kleist  umfangreichere  Proben 
daraus  mit.  Am  6.  Februar  ist  es  unter  der  Presse,  am 
11.  März  kündigt  es  Lessing  an: 

Sieges -Lied  |  der  |  Preussen,  (  nach  der  Schlacht  bey 

Lissa,  I  den    5*^«  December  1757.  |  Berlin,   1758.| 

11   Bl.    40 

mit    der   im  späteren  Drucke   fehlenden  Anmerkung  zu 

10,  118  'Man  sagte  den  österreichischen  Soldaten:  die 

Preussische  Wachparade  solle  aufgehoben  werden.' 

Das  Lied  hat  vor  dem  Drucke  manche  Umarbeitung 
erfahren;  Gleim  klagt  (ii.  L  58)  gegen  Kleist,  er  habe 
sich  noch  keinen  einzigen  Tag  'in  dazu  gehörigen 
Enthusiasmus  unterhalten  können,  daher  es  sehr  ungleich 
ausfallen  wird,  auch  wird  es  bei  so  viele  Reprisen  all- 
zulang.' Eine  ausführlichere  handschriftliche  Fassung, 
in  der  es  dem  Rossbacher  Siegesliede  sehr  ähnlich  ist, 
bat  sich  erhalten  und  Pröhle  teilt  (Friedrich  der  Grosse, 
S.  69)  zwei  Strophen  daraus  mit;   die  eine 

Ja    Prinz,  lass  heute  den  Capaun 

Am  Spiesse  langsam  drehn, 

Es  möcht  ihn  diesmal  Du  und  Dann 

Spät  auf  der  Tafel  sehn. 

ist  an  Prinz  Karl  von  Lothringen  gerichtet;  zu  der  andern 
Das  fürchterliche  Hudry  hiitt 
Brüllt  heute  kein  Pandur, 
Heut  ist  er  ganz  und  gar  caput, 
In  Wäldern  brumt  er  nur. 

findet  sich  die  handschriftliche  Anmerkung  Gleims :  'Der 
Panduren  gewöhnliches  Geschrei,  wenn  sie  ihrem  Feind 
nachhauen'.  Vielleicht  teilt  uns  Pröhle  diese  Fassung 
aus  seinen  Papieren  einmal  vollständig  mit.  Aber  auch 
die  in  den  Briefen  an  Kleist  (26.  XII.  57  und  9.  L  58) 
mitgeteilten  Bruchstücke  ergeben  Varianten,  die  ich  im 


folgenden  verzeichne  10,3  Stolz  wie  der  Ungar,  der  geflohn  | 
V.  11  und  12  stehn  vor  9  und  10;  V.  15  und  16  vor 
13  und   14;    V.  165—172  vor   161  —  164  und  lauten: 

165  Wir  sahen  drohendes  Geschütz; 

Und  giengen  frisch  darauf 
Nicht  Donnerschlag,  nicht  rother  Blitz 
Hielt  Retzows  Helden  auf. 

Sie  folgten  in  Gefahr  und  Streit 
170  Dir  tapfrer  Ferdinand, 

Zu  sterben  allesamt  bereit 
Mit  dir  fürs  Vaterland 

wobei  auf  Kleists  Brief  vom  4.  Januar  1758  zu  ver- 
weisen ist :  ^Der  Prinz  Ferdinand  vom  Hause  ist  freilich 
bey  der  Schlacht  bey  Lissa  gewesen  und  hat  jetzo  wie 
allmal  sehr  brav  gethan,  wie  er  auch  bei  Prag  blessirt 
war.  Sie  müssen  ihn  absolut  nennen ;  er  ist  ein  un- 
vergleichlicher Herr.  Retzow  verdient  auch  eine  Stelle 
in  dem  Siegsliede.  Er  ist  ein  guter  General,  der  viele 
presence  d'esprit  hat  und  viele  Ehre  und  bravoure' ; 
ferner  10,  180  deine]  seine  |  185  Vater!]  Brüder,  | 
195  Wir  sahen  aus,  wie  lauter  Tod,  |  199  Brannt 
alles,  alles  schäumte  Wuth  |  Nach  V.  212  folgt  der 
Anfaugsvers  einer  unvollendeten  Strophe :  Warum  empört 
die  ganze  Welt  etc.  |  215  das]  dein  | 

Gleim  muss  die  Absicht  gehabt  haben  für  die 
Sammlung  der  Kriegslieder  den  Anfang  von  No.  10  zu 
kürzen.  Lessing  will  davon  nichts  wissen  (19.  IV.  58): 
'Von  seiner  vorgeschlagenen  Verkürzung  des  Eingangs 
zum  Lissa'schen  Liede  halte  ich,  eigentlich  zu  reden, 
nichts.  Will  er  aber  durchaus  lieber  einige  Schönheiten 
verlieren ,  als  den  Beifall  der  Kunst richter  vom 
kurzen  Athem  (denn  nur  ein  kurzer  Athem  kann  den 
Eingang  zu  lang  finden)  entbehren,  so  muss  er  wenigstens 
die  erste  und  letzte  Strophe  davon  beibehalten'.  Die 
Verkürzung  hat  nicht  stattgefunden,  so  wie  auch  der 
'Haarzopf'  in  V.  39,  an  dem  Sulzer  Anstand  nahm 
(Briefe  der  Schweizer  S.  310),  unverkürzt  stehen  blieb. 


.  XXI 


No.   11   wird   im  Briefwechsel    nicht    erwähnt.     Es 
wird  aber  im  Januar  1758  gedichtet  sein.  Der  erste  Druck 
Lied  der  Preussen  |  An  die  Käyserin  Königin,  |  nach 
Wiedereroberung  |  der   Stadt  Bresslau  |  am  I9ten 
December  1757.     |  Gedruckt,  Bresslau   den  20ten 
Decemb.  1757.  |  2  Bl.  4 
weicht  von  dem  Text  der  Sammlung  nur  in  zwei  Versen 
ab  20  Biete]  Bitte  |   25   Grösserer    kein  Feind.  |   Über- 
einstimmend ist  ein  zweiter  Druck  von  No.  1 1  in  Vereini- 
gung mit  No.   1   und  No.  4 

Lied  I  eines  Preussischen  Grenadiers  |  bey  Anfang  des 
Krieges  175H.  |  und  |  Schiachtgesang  |  der  Preussen 
I  vor  der  Schlacht  bey  Prag  |  den  6.  May  1756.   j 
nebst  I  dem  Liede  der  Preussen  |  an  die  Kayserinn- 
Königinn  |  nach  |  Wiedereroberung  der  Stadt  Bress- 
lau I  am   19.  Dec.   1757.  |  Berlin,  1758.   |  4  Bl.  40. 
Nur  No.  4    zeigt  Varianten:     V.   13.    Was  hilfts,    dass 
schreckliches  Geschütz  |  V.  15,  16     Was  hilfts,  dass  du 
mit  Kunst  und  Witz  Dein  Lager  hoch  umschanzt?  |  V.  27 
Hast  du  gebohren,]  Hat  Wien  gebohren  |  No.  1.  ist  am 
1.  Februar  1758  an  Lessing  gesandt. 

Am  spätesten  vollendet  sind  die  beiden  Lieder  auf 
die  Schlacht  von  Collin  (18.  VL  57).  Ein  erster  Ent- 
wurf von  No.  7  muss  schon  Juli  1757  fertig  gewesen 
sein,  am  25.  citiert  Gleim  Vers  31  und  32  daraus  und 
sendet  es  am  28.  Juli  an  Kleist.  Gedruckt  aber  wurde 
es  damals  nicht.  Zwar  schreibt  Gleim  schon  am  8.  August 
1757  davon  an  Lessing:  'Sein  Siegeslied  nach  der  Schlacht 
bei  Collin  habe  noch  nicht  gesehen,  aber  ein  guter 
Freund  hat  mir  gemeldet,  dass  es  zu  Leitmeritz  gedruckt 
wäre.  Will  es  Ihnen  mitteilen,  sobald  es  bekomme'  und 
der  Brief  an  Uz  vom  16.  August  1757  führt  es  eben- 
falls unter  den  bereits  erschienenen  an.  Dagegen  heisst 
es  fast  ein  Jahr  später  im  Briefe  von  Lessing  an  Gleim 
(8.  VII.  58)  schon  während  des  Druckes  der  Sammlung: 
'Sie  glauben  nicht,  wie  zufrieden  ich  mit  Ihnen  und  dem 
Grenadier  bin.    Er  hat  sich  vortrefflich  aus  dem  Handel 


gezogen,  und  ich  wüsste  nicht  das  Geringste,  was  in 
seinem  Collin'schen  Liede  zu  ändern  wäre.  Es  kam 
noch  eben  zurechte,  obgleich  der  Druck  schon  bis  in 
das  Rossbach'sche  Lied  fortgerückt  war.  Einer  so  in- 
teressanten Vermehrung  wegen  hat  ja  leicht  ein  Bogen 
können  weggeworfen  werden.'  Man  könnte  diese  Worte 
zunächst  auf  No.  6,  den  'Schlachtgesaug  vor  dem  Treffen 
bey  Collin',  das  erst  damals  entstanden  ist,  beziehen, 
wenn  Lessing  nicht  hinzusetzte :  'Sieben  Lieder  hat  Herr 
Krause  compouirt ;  das  Collin'sche  muss  das  achte  sein. 
Denn  dieses  muss  nothwendig  eine  eigne  Melodie  be- 
kommen, weil  ein  eigner  Geist  darin  herrscht,  der  zu 
den  andern  Melodien  nicht  passen  würde.'  In  der  That 
enthält  die  Sammlung  8  Melodien  mit  der  zu  No.  7.*) 
Die  Lieder  auf  die  Schlacht  von  Collin  scheinen  gemeint 
zu  sein,  wenn  Kleist  (14.  VIL  58j  schreibt:  'Ihre  beiden 
Siegslieder  sind  recht  hübsch,  obgleich  allen  vorigen  nicht 
gleich.'  Uz  nennt  unter  den  für  ihn  neuen  Liedern  der 
Sammlung  auch  das  auf  Collin  (an  Gleim  26.  IX.  59). 
Was  nun  diese  Sammlung  selbst  betrifft,  so  rührt 
die  erste  Anregung  dazu  von  Lessing  her,  der  schon 
am  12.  Dezember  1757  die  damals  fertigen  drei  Lieder 
No.  3,  5  und  9  mit  dem  erst  geplanten  No.  10  zu  einem 


*)  Die  Tempobezeichnnngen  der  Melodieen,  deren  Noten 
unser  Neudruck  nicht  wiedergeben  will,  scheinen  mir  für  die 
Auffassung  der  Lieder  cliarakteristisch,  so  dass  icli  sie  hier 
verzeichne;  No.  1  hurtig  und  herzhaft;  2  hurtig  und  prächtig; 
4  muthig  und  geschwind ;  5  fröhlich ;  7  gesetzt ;  9  lustig ; 
10  erhaben  und  freudig;  11  lebhaft.  Später  wurden  die 
Kriegslieder  von  andern  componiert  vgl.  'Preussische  |  Kriegs- 
lieder I  in  den  |  Feldzügen  1756.  und  1757.  |  von  I  Einem 
Grenadier.  |  (Vign.)  |  Mit  neuen  Melodien.  ]  Berlin  1778.  |  X 
und  82  S.  so  nach  Körte,  Gleims  Leben  1811,  S.  493  von 
Telemann.  Ferner  von  Schabart  vgl.  den  ungedruckten  un- 
datierten Brief  von  Schubarts  Sohn,  Legationssecretär  in  Er- 
langen, den  Gleim  am  21.  XII.  98  empfieng:  'Die  Composition 
zu  Ihren  herrlichen  Kriegsliedern,  womit  mein  Vater  bis  an 
sein  Ende  so  manchen  Erdensohn  mit  Begeisterung  für  Friedrich 
entflammt  hat,  sollen  Sie  gleichfalls  von  Sohnes  Hand  erhalten.' 


Ganzen  vereinigen  möchte.  Gleim  müsste  einen  kleinen 
Vorbericht  machen,  'um  jeden  Leser  auf  den  rechten 
Gesichtspunkt  zu  stellen,  aus  welchem  er  die  Lieder 
betrachten  müsse.'  Gleim  muss  aber  Lessing  selbst  um 
die  Ausführung  dieses  Plans  gebeten  haben  —  die  Briefe 
fehlen  —  am  6.  Januar  1758  schreibt  er  an  Kleist: 
'Dass  dem  Pr[inz]  Heinrich'schen  Hoffe  das  Rossbach'sche 
Siegeslied  nicht  gefällt,  wundert  mich  nicht.  Auch  wird 
mich  nicht  wundern ,  wenn  manche  andere  an  dieser 
Art  Lieder  keinen  Geschmack  finden.  Sie  steht  zwischen 
der  hohen  Ode  und  dem  gemeinen  Liede  allzu  sehr  in 
der  Mitte,  als  dass  je  das  Urteil  den  rechten  Punkt 
treffen  könte.  Deshalb  auch  wird  nöthig  sein,  dass 
Herr  Lessing  dem  unbestimmten  Geschmacke  unserer 
Prinzen  und  Helden  zurecht  helfe ;  ich  freue  mich  recht 
auf  seine  Vorrede,  denn,  ohne  Zweifel  wird  er  eine 
schöne  Abhandlung  von  Kriegesliedern  hineinbringen.' 
Und  Lessing  ist  bereit,  Gleims  Wunsch  zu  erfüllen 
(6.n.  58)  :  'Und  der  Grenadier  erlaubt  es  doch  noch,  dass 
ich  eine  Vorrede  dazu  machen  darf.  Ich  habe  Verschie- 
denes von  den  alten  Kriegsliedern  gesammelt;  zwar  un- 
gleich mehr  von  den  Kriegsliedern  der  Barden  und  Skalden 
als  der  Griechen.  Ich  glaube  aber  auch,  dass  jene  für  uns 
interessanter  sind  und  auch  ein  grösseres  Licht  auf  die 
Lieder  unsers  neuen  Skalden  werfen.'  Am  25.  Februar 
1758  sind  die  Lieder  schon  14  Tage  in  der  Druckerei; 
die  Vorrede  aber  scheint  Mitte  März  noch  nicht  fertig 
zu  sein ;  Lessing  möchte  den  lieben  Grenadier  gerne 
sprechen,  um  sie  'in  seine  Seele  zu  machen'  (Kleist  an 
Gleim  14.  III.  58).  Drucker  und  Kupferstecher  ver- 
zögern die  Vollendung  noch  lange.  Am  6.  August  endlich 
kann  Lessing  das  erste  Exemplar  nach  Halberstadt 
senden.  'Hätte  ich  gern  in  der  Welt  etwas  recht  gut 
machen  wollen,  —  schreibt  Lessing,  fast  möchte  man 
glauben,  mit  leiser  Ironie  —  so  wäre  es  dieser  Vorbericht 
gewesen  ;  aber  was  hilft  es,  dass  man  etwas  will,  wenn 
man  nicht  die  Kräfte  dazu  hat?    Alles,    was  ich    hätte 


XXIV 


sagen  können,  zu  sagen,  dazu  hatte  ich  nicht  den  Platz, 
und  das  Wichtigste  und  Vornehmste  nur  zu  sagen, 
nicht  die  erforderliche  Unterscheidungskraft,  ohne  Zweifel. 
Sollte  der  Grenadier  also  mit  meinem  guten  Willen 
ebenso  wenig  zufrieden  sein,  als  ich  es  selbst  bin,  so 
versprechen  Sie  ihm  nur,  dass  ich  es  bei  einer  zweiten 
Auflage  besser  machen  will.  Denn  alsdenn  sollen  Sie, 
liebster  Freund,  mir  mit  Ihrem  guten  Rate  mehr  an  die 
Hand  gehen  und  in  dem  Vorberichte  ändern,  ausstreichen, 
hinzusetzen,  wie  und  wo  es  Ihnen  gut  dünkt.'*) 

Konnte  Lessing  am  Schlüsse  seines  Vorberichtes 
ein  kleines  Fragment  eines  Grenadierliedes  mitteilen, 
das  in  der  Sammlung  keinen  Platz  fand,  so  können 
auch  wir  ein  paar  Bruchstücke  als  Nachträge  beibringen. 
Das  erste  ist  ein  kurzer  poetischer  Brief,  welchen  Gleim 
nach  dem  Gefecht  bei  Borne  von  dem  Grenadier  em- 
pfangen zu  haben  vorgab  (an  Kleist  1 2.  XII.  57) : 
'Der  König  lebt,  zehn  tausend  Feinde  sind  todt. 

Der  Enkel,  Sieger  Friederich ! 

Glaubt  deine  Wunder  nicht 
Sie  lesend  überzeugt  er  sich 

Er  les'  ein  schön  Gedicht. 

Auf  dem  Schlachtfelde  bei  Borne  abends  den  5.  Nov.  1757.' 
Das  andere  sind  zwei  Strophen  in  einem  Briefe  au 
Lessing  (22.  XL  58).  'Sie  sowohl  als  Herr  Ramler 
haben  mir  vorgeworfen,  ich  hätte  Ihnen  sein  Siegeslied 
auf  die  Schlacht    bei  Zorndorf  vorenthalten.     Ich  weiss 


*)  Zu  den  Versen  des  Archilochos,  welche  die  Vorrede 
schliessen  und  die  aus  Athenäus  XIV.  23.  p.  627  c.  genommen 
sind,  ist  zu  vergleichen  Leasings  Brief  an  Gleim  5.  IX.  58 : 
,Die  griechische  Grabschrift,  die  ich  ihm  .  .  .  gesetzt  habe, 
sind  zwei  alte  Verse,  die  bereits  Archilochus  von  sich  gesagt 
hat:  Ich  bin  ein  Knecht  des  Enyalischen  Königs  (des  Mars) 
und  habe  die  liebliche  Gabe  der  Musen  gelernt.  Sie  schienen 
mir  wegen  ihrer  edeln  Simplicität  der  Anführung  würdig  zu 
sein  und  drücken  den  doppelten  Charakter  eines  solchen 
kriegrischen  Dichters  aus.'  Die  Verse  aus  Horaz,  welche  am 
Schluss  des  ersten  Liedes  stehen,  hatte  Gleim  im  Briefe  an 
Kleist  6.  I.  58,  den  Lessing  gewiss  gelesen  hatte,  citiert. 


XXV 


aber  ganz  gewiss  von  keinem.  Nur  zwei  Strophen  eines 
Liedes  vor  der  Schlacht  hat  er  in  einem  Schreiben  ein- 
fliessen  lassen ,  wovon  Herr  von  Kleist  mag  erwähnt 
haben.     Hier  sind  sie  : 

Weil  von  den  Kriegern  aller  Welt 

Du  nicht  bezwungen  bist, 
Nicht  fällst,  nicht  weichen  willst,  o  Held, 

Der  Macht  nicht,  nicht  der  List: 

So  schicken  sie,  o  Friederich, 

Mordbrenner  in  dein  Reich 
Und  Henker,  Vater,  wider  dich 

Ist  ihnen  Alles  gleich ! 

Er  sagte,  er  hätte  sie  bei  dem  Uebergange  über  die 
Oder  gesungen.'  Dies  sind  wol  'die  zehn  Zeilen,  die 
ich  auf  die  Schlacht  bey  Zorndorf  gemacht  habe'  (im 
Briefe  an  Kleist  20.  X.  58).  Gleichlautend  schreibt  er 
sie  au  Uz  (2.  XH.  58). 

In  demselben  Briefe  an  Lessing  übersendet  Gleim 
aber  auch  No.  12  'Der  Grenadier  an  die  Kriegesmuse 
nach  dem  Siege  bey  Zorndorf  den  25.  August  1758'. 
Der  Genadier  sei  bei  Zorndorf  tödtlich  verwundet  worden, 
hatte  Gleim  schon  früher  verbreitet.  Dies  sei  sein 
Schwanengesang,  ohne  Brief  in  fremdem  Umschlage  habe 
er  es  bekommen.  Wenn  Lessing  es  für  gut  befinde,  es 
besonders  drucken  zu  lassen,  so  solle  Kleist  damit  über- 
rascht werden.  Lessing  lässt  sich  mit  seiner  Antwort 
lange  Zeit;  am  Q.December  1758  meldetRamler  an  Gleim, 
dass  der  sächsische  Freund  nicht  mit  allem  einverstanden 
sei  und  in  der  That  verhält  sich  Lessings  Brief  vom 
16.  Dezember  1758  ziemlich  ablehnend.  Er  missbilligt 
vor  allem  die  kriegerische,  russenfeindliche  Tendenz  des 
Werkes  und  seine  Vorwürfe  gipfeln  in  dem  Satze,  dass 
der  Patriot  den  Dichter  zu  sehr  überschreie  und  den 
Weltbürger  in  ihm  vergessen  mache.  Der  Druck  aber 
sei  in  Berlin  unmöglich,  denn  die  Censur  habe  es  nicht 
passieren  lassen.  Dieser  Brief  ist  der  Anfang  einer 
längeren,  ziemlich  erregten  Korrespondenz  zwischen  Gleim, 


XXVI 


Lessing,  Ramler  und  Kleist  und  die  Ursache  einer  Reihe 
von  Änderungen  in  dem  Gedichte  durch  Gleim  und 
Ramler.  Von  der  ältesten  handschriftlichen  Fassung 
steht  nur  weniges  ganz  sicher;  in  den  Versen  115  —  121 
muss  der  Name  'von  Katt'  genannt  worden  sein;  die 
Verse  von  der  Einäscherung  Küstrins  173  ff.  müssen 
anders  gelautet  haben  und  die  Verse  über  die  russische 
Kaiserin  198  ff.  müssen  einen  directen  Fluch  enthalten 
haben;  sie  muss  darin  'Selbstherrscherin'  genannt  worden 
sein  ;  Lessing  schlug  bloss  vor  unentschieden  zu  sagen  : 
'Aber  welch  ein  Loos  soll  ich  Dir  wünschen,  Selbst- 
herrscherin, wenn  du  etc.'  (14.  II.  59);  Gleim  aber 
machte  aus  Gefälligkeit  für  den  alten  Freund  des  Grena- 
diers Lob  und  Segen  daraus  [9.  IL  59),  oder  wie  er 
später  (28.  II.  59)  einschränkend  sagt,  die  Verwünschung 
hat  in  der  Zeile  205  'denn  du  gabst  nicht  den  schreck- 
lichen Befehl'  versteckt  werden  sollen.  'Denn  hat  sie 
ihn  gegeben,  so  trifft  sie  das  Loos  der  Häupter  über 
die  Kaimucken.  Wegen  ihrer  Menschenliebe  ist  sie 
gerühmt,  weil  unser  Manifest  sie  deshalb  soll  gerühmt 
haben  !' 

Die  neue  Fassung  wurde  am  7,  Januar  an  Ramler, 
am  5.  Februar  an  Kleist  und  Uz  gesandt  und  Lessing 
teilte  dieselbe  fragmentarisch  mit  Auslassung  der  an- 
stössigen  Stellen  in  den  'Briefen,  die  neueste  Litteratur 
betreffend'  VI.  den  8.  Februar  1759  S.  81— 91  mit, 
die  Abweichungen  von  unserem  Texte  sind  gering : 
12,  6  Ihn  einzuholen  ]  Ihm  nachzufolgen  |  60  Wir  sind, 
nach  dir ,  erhabner  starker  Gott !  |  6 1  So  wäre  wohl 
der  Jammer,  |  151  singen  |  152  kommen  i  167  als 
zentnerschwere  Last  |  249  dein  Arm  |  250  müssig  ]  fehlt. 
Das  an  Uz  gesandte  Manuscript  ist  erhalten  und  stimmt 
bis  auf  zwei  Worte  genau  mit  dem  ersten  Drucke  über- 
ein. Es  sind  dies  12,25  'unangepackt'  und  12,34 
'rippeltest',  welche  Worte,  weil  sie  Gärtnern  anstössig 
waren,  von  Ramler  in  'uuangezwackt'  und  'rühretest' 
verwandelt  wurden.  So  konnte  endlich  am  18.  März  1759 


XXVII 

Lessing  das  Gedicht  im  Druck  übersenden,  der  sich  in 
Format  und  Ausstattung  genau  an  die  'Kriegslieder' 
^.nschliesst  und  den  wir  unten  reproducieren.  Gleich- 
zeitig wurde  ein  anderer  Druck  veranlasst.  Kleist  war 
von  dem  Gedichte  entzückt  gewesen:  'Es  ist  so  original- 
erhaben, so  gross  und  so  voll  erschütternder  ideen,  als 
ich  mich  nicht  erinnere,  jemahls  was  gelesen  zu  haben 
—  schreibt  er  unmittelbar  nach  der  ersten  Leetüre 
<21.  L  59.  vgl.  auch  Kleists  Werke,  Bd.  I.  S.  318)  — 
Es  ist  das  grösste  Prob-Stück  eines  grossen  genies,  und 
nichts  vasteres  und  majestätischeres  ist  möglich  .... 
Es  ist  Alles  so  unvergleichlich,  der  ganze  Thon  ist  so 
feyerlich  und  sublime,  als  Menschen  Arbeit  sein  kann.' 
So  will  er  es  denn  gleich  zum  Drucke  in  die  Schweiz 
oder  nach  Holland  an  Ewald  senden ;  das  erstere  thut 
er  wirklich,  am  14.  Februar  1759  schickt  er  es  an 
Hirzel,  damit  es  Gessner  drucke.  Ich  lasse  Gessners 
Brief  an  Gleim  vom  14.  März  1759  über  dieses  Gedicht 
und  die  Kriegslieder  im  allgemeinen  folgen,  weil  er  uns 
das  Urteil  der  Schweizer  am  besten  repräsentiert  und  bei 
Körte  Briefe  der  Schweizer  S.  314  f.  ungenau  (auch 
unter  dem  falschen  Datum  des  14.  Maij  gedruckt  ist: 
'Wir  erhielten  durch  Kleisten  ihr  Gedicht  an  die 
Krieges- Muse  und  unsere  Bewunderung  ist  so  gross, 
dass  wir  nicht  wiederstehen  können,  Avir  müssen  dem 
Dichter  danken.  Ja  haben  sie  tausend  Dank,  mein 
Freund,  für  das  edle  Vergnügen,  dass  ihre  Kriegeslieder 
und  ihr  letztes  Stück  mir  gaben.  Der  Dichter  ist  be- 
wundernswerth ,  der  Genie  genug  ist,  eine  ganz  neue 
Bahn  zu  betreten  und  nicht  immer  nur  mit  schüchternem 
Fusse  da  wandelt,  wo  schon  viele  gewandelt  haben. 
Das  haben  sie  in  ihren  Siegesliedern  gethan.  Sie  sind 
neu,  ich  weiss  keinen,  der  vor  ihnen  in  diesem  Ton 
gesungen  hat.  Wie  eigen  ist  ihnen  die  Kunst,  mit 
bestem  Anstand  das  grosseste  Erhabene  und  das  Naive 
mit  dem  scherzhaften  Tone  abwechseln  zu  lassen  !  Wie 
lebhaft  sind  ihre  Gemälde,  wie  gross  ihre  Gesinnungen ! 


XXVIII 

Sie  müssen  Wirkung  thun  bei  der  Armee ;  der,  dem  sie 
nicht  Heldenmutli  und  grosse  Gesinnungen  in  der  Brust 
erregen,  er  ist  entweder  zu  dumm,  als  dass  er  werth 
wäre,  bei  ihres  Königs  Armee  zu  sein  oder  man  sollte 
ihn  sonst  von  seinem  Regiment  wegjagen,  weil  er  zu 
dergleichen  Gesinnungen  unfähig  ist.  Ich  muss  immer 
über  ihren  poetischen  Reichthum  erstaunen,  da  sie  über 
ein  sich  immer  ähnliches  Sujet  immer  so  mannigfaltige 
Schönheiten  zu  sagen  wissen,  Ihr  fürtreffliches  Gedicht 
auf  die  Schlacht  gegen  die  Russen  gefällt  mir  jetzt  vor- 
züglich, vielleicht  nur,  weil  es  das  neueste  ist.  Was  für 
einen  patetischen  Ton  haben  sie  da  angenommen.  Da 
herrscht  das  Erhabene  in  seiner  hohen,  ehrwürdigen 
Einfalt  Das  ist  nicht  erkünstelte,  es  ist  die  natürliche 
Sprache  der  Dichter.  Wie  billig  ists ,  dass  zu  des 
grossesten  Königs  Zeit  ein  Gleim  lebt.  Ihre  Lieder 
werden  mit  des  Königs  erhabenen  Thaten  gleich  ewig 
sein.  Allein,  mein  Freund,  wenn  ich  alles  mein  Ent- 
zücken ihnen  sagen  wollte,  so  würde  ich  sie  durch  ein 
zu  weitläufiges  Lob  beleidigen,  ich  will  sie  nicht  länger 
loben,  ich  will  ihnen  nur  danken.  Ihr  Gedicht  an  die 
Krieges -Muse  habe  ich  mit  Kleists  Erlaubnis  sogleich 
drucken  lassen,  ich  erwarte  nur  bequeme  Gelegenheit, 
Ihnen  einige  Exemplare  senden  zu  können.  Die  Berliner 
haben  sehr  viel  Höflichkeit  für  die  Verwüster  ihres 
Vaterlandes,  dass  sie  dies  Gedicht  nicht  wollen  drucken 
lassen.'  Die  Zürcher  Stadt -Bibliothek  besitzt  diesen 
Druck:  'An  die  Krieges -Muse  nach  der  Niederlage 
der  Russen  bey  Zorndorf.  Von  einem  Preussischen 
Grenadier.'  24  S.  kl.  8^,  der  mir  nicht  zugäng- 
lich war. 

Am  ausführlichsten  hat  Gleim  über  Einzelheiten  des 
Gedichtes  mit  Uz  korrespondiert,  so  dass  uns  diese  Briefe 
einen  Kommentar  zu  demselben  ersetzen  können.  Gleim 
selbst  hat  auf  Uzens  Kritik  hohen  Wert  gelegt  und  sie 
Lessing  abzuschreiben  versprochen  (23.  III.  59).  Sie  ist 
vom  1.  März  1759  datiert:   'Sie  haben  mir  ein  vortreff- 


liebes  Gedicht  geschickt:  ich  danliie  Ihnen  für  diess 
Geschenke.  Was  für  Bilder !  Welche  Erhabenheit ! 
Welche  Stärke  des  Ausdrucks !  Das  lambische  Sylben- 
maass  ist  regelmässig  und  wohlklingend.  Aber  man 
muss  doch  das  Gedicht  etlichemahl  lesen ,  bis  man  es 
recht  liest.  Ich  glaube,  dass  dieses  von  dem  häufigen 
Enjambement  herkommt.  Die  Zeilen  sind  stark  in  ein 
ander  geflochten.  Wenn  man  sie  nach  dem  Verstände, 
den  sie  enthalten,  mit  einander  verbindet,  so  verliert 
sich  ein  grosser  Teil  des  Sylbenmaasses.  Es  bleibt 
fast  nichts  als  eine  wohlklingende  und  erhabene  Prose. 
Wollen  Sie  mir  noch  eine  Anmerkung  erlauben?  Es 
gefällt  mir  nicht  dass  ich  so  viele  alte  und  unrichtige 
Wortfügungen  antretfe.  In  den  Kriegsliedern  sind  sie 
mir  nicht  anstössig.  Wer  wird  einen  Grenadier  um 
eine  Wortfügung  chicaniren?  Aber  das  neue  Gedicht  ist 
zu  erhaben,  als  dass  ich  ihm  soviele  Archaismos  erlauben 
könnte.  Ich  fürchte  mich  über  dieses  vor  den  üblen 
Folgen.  Die  Deutschen  ahmen  alles  nach  und  über- 
treiben alles.  Ist  nicht  zu  besorgen,  dass  ein  solches 
Meisterstück  uns  wieder  auf  die  Construction ,  welche 
in  Luthers  Bibel-Übersetzung  herrschet,  zurückführen 
möchte?  Ich  bin  einmal  im  Tadeln  und  will  darinn 
fortfahren.  Sie  haben  es  verlangt.  Dünkt  Ihnen  nicht, 
dass  gleich  im  Anfange  [23  ff.]  Daun  etwas  mishandelt 
wird  ?  Ich  merke  dieses  an,  weil  die  Beschreibung  des 
alten  Marschalls  [42  ff.]  ganz  unvergleichlich  und  eine 
der  schönsten  Stellen  des  Gedichtes  ist.  Sollte  jenem 
nicht  mit  gleicher  Massigkeit  begegnet  worden  seyn? 
Alle  Tausende,  die  du  beliebetest  durch 
einen  Strich  etc.  [26  f.]  Geschieht  ihm  hier  nicht 
Unrecht?  Ist  es  historisch  wahr?  Die  Stelle  von  seinem 
Vettern  [37]  verstehe  ich  gar  nicht.  Das  Wort:  rip- 
peltest  du  dich  [34]  ist  ein  Provinzial-Wort  und 
viel  zu  niedrig.  Man  kann  den  Schneckengang  wohl 
trag,  aber  vielleicht  nicht  giftig  [74]  nennen.  Das 
Gleichniss  von  dem  Zug  der  Schlangen  [79  ff.]  und  die 


ganze  Beschreibung,  wozu  es  gehört,  ist  erhaben.*)  Das 
Haus  von  Leine  wand  [87],  ein  mehr  scherzhafter, 
als  edler  Ausdruck,  macht  keinen  angenehmen  Contrast 
mit  dem  vorhergehenden  Erhabenen.  Betete  für 
ihn  [95]  ist  eine  unrichtige  Wortfügung  und  bringt 
eine  Dunkelheit  über  den  ganzen,  ohnehin  etwas  langen 
Satz.  Ist  der  Umstand,  ein  Fernglas  in  der  Hand 
[144],  nicht  auch  ein  wenig  zu  klein,  zu  unwichtig? 
Und  kamen  wohlbehalten  über  dich  [152],  Das 
Wort  thut  keine  gute  Wirkung.  Es  erweckt  ein  Lachen: 
ich  habe  es  bemerkt.  Es  ist  nicht  edel  genug.  Ist 
der  Umstand  mit  der  Blutfahn  [160]  historisch  richtig? 
Die  Centner  -Last  [167]  gefällt  mir  nicht  sehr. 
Dein  ganzes  Leben  sey  ein  solcher  Traum! 
[189].   Eine  Zeile,  die  Shakespeares  würdig.    Was  vor  und 

nachsteht    ist    alles  vortreißflich Der  Schluss  ist 

des  vortreif  liehen  Ganzen  würdig.  Sehen  Sie  eine  lange 
Critik !  Ich  weiss  nicht ,  warum  ein  solches  Meister- 
stück nicht  gedruckt  werde.  Die  eingemischten  histori- 
schen Umstände  sind  hier  und  anderer  Orten  schon 
bekannt.  Das  zweymalige  Weinen  zu  Cüstrin  wird 
doch  keine  Hinderung  machen?  Aber  lassen  Sie  dem 
Grenadier  seine  Leyer  nicht  weglegen.  Er  muss  den 
zweiten  Teil  zu  seinen  Liedern  liefern.  Die  Welt  wartet 
darauf  und  niemand  mehr,  als  ich.' 

Gleim  antwortete  am  25.  März  1759:  'Hätten  Sie 
Ihre  Critik  des  Grenadiergedichts  mir  ehe  ins  Ohr  gesagt, 
so  wäre  gewiss  Gebrauch  davon  gemacht.  Aber  aus 
bey  gehen  dem  gedrucktem  Exemplar  ersehen  sie,  dass 
es  zu  spät  gewesen  ist.  Indess  kann  es  bey  einer 
neuen    Ausgabe    geschehen.       Das    Sylbenmaass    könte 


*)  Diese  Stelle  hat  auch  Kleist  besonders  bewandert 
21. L  59:  'Welche  Idee!  Ich  stelle  mir  die  grossen  Schlangen 
wie  Bäume  vor,  denn  ich  habe  in  einer  Eeisebeschreibung 
gelesen ,  dass  sich  Jemand  in  der  Meinung ,  sich  auf  einen 
umgehauenen  Baum  zu  setzen,  auf  eine  Schlange  gesetzt 
hat.    Welch  ein  Zug  von  Schlangen!' 


freylich  noch  vollkommener  seyn,  und  dann  würde  es 
sich  beym  lesen  nicht  leicht  verliehren,  wiewohl  auf 
einen  guten  Leser  viel  ankomt.  In  Glovers  Leonidas 
sind  die  Enjambemens  auch  sehr  häufig.  Der  grosseste 
Vorzi^g  dieses  Verses,  vor  dem  gereimten,  dünkt  mich, 
besteht  in  der  Freyheit,  die  Zeilen  in  einander  zu 
flechten.  Das  Missfallen  an  den  alten  Wortfügungen 
könte  sich  vielleicht  mindern,  wenn  man  bedächte,  dass 
der  Grenadier  Grenadier  bleibt,  er  singe  ein  Kriegeslied 
oder  mache  ein  Gedicht.  Nicht  Sie  allein,  liebster  Freund, 
sondern  schon  andere  Kenner  haben  ihm  deshalb  Vor- 
würfe gemacht,  und  ich  habe  ihn  mit  dieser  Einwendung 
vertheidigt.  Aber  sie  werfen  ihm  auch  unrichtige 
Wortfügungen  vor.  Wolten  Sie  sich  mit  einer  Aus- 
zeichnung derselben  bemühen,  so  würden  Sie  sehen,  wie 
geneigt  der  Grenadier  ist,  sich  zurecht  weisen  zu  lassen. 
Man  sieht  seine  eigene  Fehler  am  wenigsten.  Was 
hingegen  die  Misshandlung  Dauns  betritt,  wie  sie  die 
Art  nennen,  mit  welcher  von  ihm  geredet  ist,  so  ist 
wohl  mit  grossem  Bedacht  dieser  östreichische  Feldherr 
so  caracterisirt,  wie  der  Grenadier,  aus  den  allgemeinen 
Urteilen  über  ihn  in  der  preussischen  Armee,  ihn  gekaut 
hat.     Die  Stelle  [26  f.] : 

Und  alle  Tausende 
Die  du  beliebetest  durch  einen  Strich 
Im  Buche  deiner  Thaten,  in  das  Reich 
Der  Schatten  zu  versetzen,  lebten  hoch  etc. 

werden  die  Östreicher  selbst  nicht  missbilligen.  Ich 
habe  viele  Ihrer  Officiers  gesprochen,  die  an  den  Lügen 
in  den  Berichten  aus  dem  östreichischen  Hauptquartier, 
gross  Missfallen  bezeigten.  *)  Und  sollte  aus  dem  Haupt 
Quartier  wohl  etwas  dürfen  geschrieben  werden,  wovon 


*)  In  seinem  Handexemplare  machte  Gleim  zu  Vers  28  die 
Anmerkung:  'In  dem  üsterreichischem  Tagebuch  wurde  der 
Verlust  der  Preussen  zu  vielen  Tausenden  angegeben  und  er 
war  geringe'.  Ich  verzeichne  liier  noch  einige  andere  hand- 
schriftliche  Anmerkungen  Gleims   in   demselben  Exemplare: 


xxxu 

der  Feldherr  nicht  wüsste?  Ich  weiss  aus  der  Erfahrung 
im  Dienst  des  Fürsten  von  Dessau,  wie  es  damit  ge- 
halten wird.  Sie  fragen,  ob  es  historisch  wahr  ist,  was 
der  Grenadier  sagt?  Ich  weiss  von  ihm  selbst,  dass  er 
weder  in  den  Kriegesliedern,  noch  in  dem  Gedicht,  wo- 
von die  Rede  ist,  keinen  einzigen  unwahren  historischen 
Umstand  hat  wollen  einfliessen  lassen  ;  die  Stelle  von 
Dauns  Vetter  habe  ich  mir  damit  erklärt,  dass  ich  ge- 
hört, Dann  habe  einen  Adjutanten  seines  Nahmens,  der  ein 
sehr  geschickter  Officier  sey n  soll.*)  Statt :  rippeltest, 
ist  rühretest  gesetzt  und  doch,  ich  gestehe  es,  gefällt 
mir  rippeltest  besser  im  Munde  des  aufgebrachten 
Soldaten,  und  dünkt  mich  nichts  weniger  als  niedrig. 
Man  darf  es  nur  laut  lesen,  und  das  soldatische  Gesicht 
dazu  machen,  das  dazu  gehört,  so  wird  es  der  Thon 
selbst  aus  dem  Staube  des  Niedrigen  erheben.**)  Der 
träge  Schnecken  Gang  der  Schlangen  ist  giftig ;  will 
der  Grenadier  sagen.  Das  Haus  von  Leinewand,  soll 
einen  König  vor  Augen  stellen,  der,  aus  Liebe  zum 
Vaterlande,  als  Beschützer  seines  Volcks,  sich  alles 
seines    Pomps    begiebt,    gleich    seinem    Grenadier,    ein 

Zu  V.  45  '  In  dem  preuasischen  Tagebuche  hatte  des  Königs 
Majestät  dem  feindlichen  General  Marschall  das  Lob  der 
Tapferkeit  gegeben'.  Zu  V.  68  'Der  Kunstrichter,  der  über 
diese  Stelle  nicht  eben  fein  gespottet  hat,  der  bedachte  nicht, 
dass  die  Vorsehung  bey  allen  Unternehmungen  der  Helden 
im  Spiel  ist,  und  dass  in  Begebenheiten,  die  der  Mensch  für 
Unglück  hält,  zu  seinem  Glück  der  Grund  geleget  wird'.  Zu 
dem  Worte  'Steppe'  V.  77:  'Unbewohnte  grosse  Wüsteneyen 
werden  in  Russland  Steppen  genannt',  auf  Anregung  Kleists, 
der  das  Wort  nicht  verstanden  hatte  (21.  I.  59.  Vgl.  Sanders 
Deutsches  Wörterbuch  IL  2.  S.   1209). 

*)  In  seinem  Handexemplar  und  in  dem  'Verbesserten 
Abdruck'  des  Gedichtes  17S2  hat  Gleim  V.  37  ganz  weg- 
gelassen und  in  V.  36  statt  '  mit  deinem  Vetter  Dann '  in 
ersterem  gesetzt :  '  mit  deiner  Heldenschaar ' ,  in  letzterem  : 
'mit  deinem  Heldenblick'. 

**)  Vgl.  An  Lessing  23,  IIL  59:  'Rühretest  statt 
rippeltest  ist  gut.  Eine  Abhandlung  von  Provinzialwörtern 
und  deren  Gebrauch  könnte  sehr  nützlich  sein'. 


XXXIII 

dünnes  Hauss,  ein  Zelt,  ein  Hauss  von  Leinewand  be- 
wohnt, darinn  er  für  dem  Ungestüm  des  Wetters  nicht 
sicher  ist  —  Wenn  es  ein  scherzhaftes  Bild  ist,  so  hat 
der  Grenadier  seine  Absicht  sehr  verfehlt,  und  er  thut 
wohl,  wenn  er  das  Hauss  von  Leinewand  den  Augen 
entzieht,  die  es  dafür  ansehn.*)  Betete  für  ihn  solte 
allerdings  heissen :  Für  ihn  betete;  Ein  Fern- 
glas in  der  Hand  hat  der  König  gehabt ,  als  er 
die  Russen  auf  dem  Cüstrinschen  Wall  stehend,  re- 
coguoscirt  hat.  Der  Umstand  ist  also  wahr.  Es  fragt 
sich  aber,  ob  er  dadurch  aufhört  klein  zu  seyn?  Und 
ob  nicht  kleine  Umstände  oft  eine  grosse  Würckung 
thun?  Ich  habe  gemerckt,  dass  er  den  Soldaten  gefallen 
hat,  die  den  König  im  Felde,  oft  mit  dem  Fernglass  in 
der  Hand  gesehn  haben.  Wohlbehalten,  muss  in 
dortiger  Gegend  einen  Nebenbegrif  oder  einen  Nebenklaug 
machen,  weil  es  dort  Lachen  erweckt,  und  hier  Ernst. 
Die  Blutfahn  ist  historisch  wahr.  Als  einige  Preussische 
Regimenter  (Regimenter  die  in  Preussen  in  Besatzung 
liegen)  aus  der  vielleicht  boshaft  beygebrachten  Furcht, 
die  Russen  würden  ihre  in  Preussen  zurückgelassene 
Weiber  umbringen,  wenn  sie  die  Schlacht  verlöhren, 
nicht  an  den  Feind  wolten,  und  sie  so  gestellt  standen, 
dass  auf  Ihnen  der  Sieg  beruhete,  da  nimt  der  König  die 
erste  die  beste  Fahn,  sagt:  Komt  Kinder,  sterbt  für 
das  Vaterland !  und  alle  folgen  ihm,  und  wollen  nun 
keinen  Russen  zum  Mörder  ihrer  Weiber  übrig  lassen.  Die 
Centnerschwere  Last  missfällt  mir  ebenfalls  sehr;  in  einer 
andern  Ausgabe  wii-d  sie  gewiss  wegfallen.  .  .  üehn  Sie, 
liebster  Freund,  das  sind  in  der  Eil  einige  Zeilen  zur 
Entschuldigung  meines  Freundes  des  Grenadiers.  Ohne 
Zweifel  werden  sie  daraus  sehen,  dass  mich  die  Freund- 
schaft verblendet  hat.  Aber  wissen  sie,  wie  ich  es  machen 
will?    Da  wir  dem  Grenadier,    wie  man    es    sonst,    bey 


*)  In  seinem  Handexemplar  hat  Gleim  'Kriegerhütte'  dafür 
gesetzt,  1782  aber  die  alte  Lesart  beibehalten. 


XXXIV 

gelehrten  Autoren  gewohnt  ist,  das  letzte  Wort  nicht 
lassen  düi-fen,  so  will  ich  Ihre,  meine,  und  anderer 
Critiken  zusammen  schreiben,  sie  an  Herrn  Ramler  und 
Herrn  Lessing,  der  die  Ausgabe  des  Gedichts  besorgt 
hat,  tibersenden,  und  sie  bitten,  ein  critisches  Urteil  zu 
fällen.  Wir,  Uz  und  ich,  wollen  dann  hinwiederum, 
über  Lessings  und  Ramlers  Critiken  Richter  sein ;  denn 
beyde  haben  welche  gemacht,  und  eines  Teils  ist  der 
Aufschub  des  Drucks  daher  entstanden.  Z.  E.  Wie  ge- 
fällt ihnen,  angezwackt  [25]  statt  angepackt. 
Angezwackt  habe  ich  gesagt,  sind  die  Preussen  vor 
Ollmüz,  aber,  ob  es  gleich  der  König  gewollt,  so  hat 
er  doch  mit  aller  List  und  Kunst,  seinen  Feind  zum 
schlagen  nicht  bringen  können ;  Dann  Hess  ihn  unan- 
gepackt.  Anzwacken  liess  er  ihn  an  allen  Orten  und 
Enden  durch  leichte  Truppen,  aber  anpacken,  mit  dem 
ganzen  Kriegsheere  wollt  er  ihn  nicht,  er  wäre  zu 
kurz  gekommen.'*) 

Das  Gedicht  an  die  Kriegesmuse  ist  das  letzte  Lied 
des  Grenadiers ,  wenn  auch  nicht  sein  letztes  Werk. 
AlsGleim  Lessings  'Philotas'  1760  und  später  Klopstocks 
'Tod  Adams'  1766  in  jambische  Verse  übersetzte,  schrieb 
er  den  'Verfasser  der  preussischen  Kriegsiieder'  auf 
den  Titel.  Sonst  aber  gab  er  meistens  vor,  er  sei  bei 
Kunersdorf  gefallen.  In  einem  Briefe  an  Uz ,  der  an- 
fangs 1761  geschrieben,  dann  aber  nicht  abgeschickt 
wurde,  heisst  es:  'Und  der  Grenadier,  mein  liebster 
Freund,  der  Grenadier  konnte,  selbst  durch  einen  Utz 
nicht  ermuntert  werden,  den  unsterblichen  Kleist  zu 
besingen ;  ich  gab  ihm  ihren  freundschaftlichen  Brief 
zu  lesen,  aber  er  blieb  stumm  und  starb  bey  dem  Grabe 
seines  Majors.'  Als  er  im  Jahre  1778  und  noch  einmal 
in  den  neunziger  Jahren  den  Schatten  des  Grenadiers 
heraufbeschwor  (Werke  Bd.  IV.  S.  80  ff.,  261  ff.),  so  brachte 


*J   Vgl.   die   ähnliche   Äusserung   im   Briefe  an  Lessing 
23.  III.  59. 


XXXV 

die  gesunkene  Kraft  des  Dichters  nur  schwächliehe 
Nachahmungen  seiner  reiferen  Lieder  zu  Stande,  an  denen 
die  Nachwelt  schweigend  vorüber  gehen  kann. 

Die  Sammlung  der  'Kriegslieder'  ist  mit  einem 
Titelkupfer  J.  W.  Meil  inve.  et.  fe.  und  mit  einer 
Vignette  geschmückt.  Das  erstere  zeigt  im  Vorder- 
grunde den  'neuen  Tyrtäus'  unter  einem  Baume  sitzen, 
der  mit  Schild,  Bogen  und  Köcher  geschmückt  ist  Er 
hat  den  Helm  auf  dem  Haupte  und  greift  in  die  Saiten 
der  Lyra.  Im  Hintergrunde  ein  Zeltlager  mit  einzelnen 
Wachposten.  Die  Vignette  zeigt  die  Attribute  des 
Dichters  und  Sängers  :  Bogen  und  Köcher,  Schild  und 
Helm,  zwischen  den  beiden  letzteren  die  Lyra.  Das 
Gedicht  'an  die  Kriegesmuse'  ist  mit  einer  einfachen 
Arabeske  geziert. 

Von  den  'Kriegsliedern'  existiren  zwei  Drucke,  die 
nur  in  Interpunktion  und  Orthographie  verschieden  sind ; 
ich  führe  die  Abweichungen  nicht  an.  *)  Den  von  mir 
zu  Grunde  gelegten  Druck  konnte  ich  in  zwei  Exemplaren 
benützen.  Ich  habe  die  Abkürzungen  in  dem  Neudrucke 
aufgelöst  und  folgende  Druckfehler  verbessert :  in  der 
Vorrede  S.  4  Z.  15  ntebrtgerii  aus  ntbrtgein  |  S.  5  Z.  10 
einen  ^reiö  aus  ein  ^retö  |  S.  6  Z.  5  naäj  ii)m  aus  nadi 
il)n  I  Im  Texte  No.  3  V.  15  tpiber  aus  toteber  |  No.  9 
V.  84  ete^t!  aus  (£tö^t !  ]  No.  9  V.  187  il;m  aus  i^n  \ 
No.  10  V.  59  ba^  aus  baö  i  Ausserdem  habe  ich  an 
drei  Stellen  die  Interpunction  gebessert  No.  2  V,  56 
fat>n:  aus  fat;n;  |  No.  10  Z.  67  (Sc^toarm,  aus  ©c^toarm  | 
No.   10  V.  123  5tbenbfelbgefang  aus  SlBenbfelbgefang,  | 

Gröbere  Druckfehler  waren  in  dem  Drucke  des 
Gedichts  'an  die  Kriegesmuse'  zu  verbessern.    Als  Gleim 


*)  Einige  spätere  Auflagen  und  Nachdrücke  verzeichnet 
Körte  Gleims  Leben  S.  493.  Ich  kenne  nur  den  folgenden 
Nachdruck :  'Kriegs-  |  und  |  Sieges  -  Lieder  |  der  |  Preussen  | 
von  einem  |  Preussischen  Grenadier.  |  Nebst  einem  An- 
hang i  einiger  an  des  |  Königs  von  Preussen  Majestät  |  ge- 
richteter I  Gedichte.  ]  Berlin,  1760.  |  48  unpag.  Seiten  8». 


XXXVI 

es  (25.  III.  59)  an  Kleist  übersandte,  klagte  er:  'Es 
sind  verschiedene  Druckfehler  darinnen'.  Ich  habe  vier 
Exemplare  verglichen.  Die  Seitenzahl  23  war  aus  32 
herzustellen.  Mit  Benützung  von  Gleims  Handexemplar, 
dass  sich  noch  in  Halberstadt  befindet,  habe  ich  die  folgen- 
den Fehler  verbessert*) :  No.  12  V.  84  !tied}en  aus  !rid)en  | 
No.  12  V.  118  ®ir,  SßeiStieit !  aus  ©er  SBeiSljeit  | 
No.  12  V.  127  i^m  aus  i^n  |  No.  12  V.  128  ©teiDcU 
aus  2)ie  toeil  j  No.  12  V.  168  beiner  aus  tf)rer  |  No.  12 
V.  170  wurde  ein  neuer  Absatz  begonnen  j  No.  12 
V.  210  ju  aus  uub  |  Ausserdem  habe  ich  noch  geändert 
No.  12  V.  93  eblen  aus  eblem  |  No.  12  V.  187  2ßot;= 
nungen  aus  2Bof)nungeu  j  Der  ziemlich  wirren  Interpunk- 
tion glaubte  ich  nur  an  wenigen  Stellen  nachhelfen  zu 
müssen.  Ich  habe  ein  Komma  eingesetzt  nach  No.  12 
V.  22  ung  I  No.  12  V.  104  dio^  \  No.  12  V.  111  ®t^  | 
No.  12  V.  138  S)u  I  No.  12  V.  179  festen  !  ein  Komma 
weggelassen  nach  No.  12  V.  122  g^reunbfd)aft  |  No.  12 
V.  144  bic^  I 

Lemberg,  am  18.  November  1881. 

August  Sauer, 


*)  In  dem  Drucke:  'Der  Grenadier  |  an  die  |  Krieges- 
muse I  nach  dem  |  Siege  bey  Zorndorf  |  den  25.  August 
1758.  I  (Vign.)  |  Verbesserter  Abdruck  |  1782,  |  sind  einige 
davon  bereits  getilgt. 


Inhalt. 


Seite 

Vorbericht 4 

1.  Bey  Eröfniing  des  Feldziiges  1756 7 

2.  Siegeslied  nach  der  Schlacht  bey  Lowositz      ...  8 

3.  Schlachtgesang  bey  Eröfnung  des  Feldzuges  1757    .  12 

4.  Schlachtgesang  vor  der  Schlacht  bey  Prag  ....  13 

5.  Siegeslied  nach  der  Schlacht  bey  Prag     .....  14 

6.  Schlachtgesang  vor  dem  Treffen  bey  Collin     ...  16 

7.  Lied  nach  der  Schlacht  bey  Collin 16 

8.  Herausfordrungslied  vor  der  Schlacht  bey  Kossbach  18 

9.  Siegeslied  nach  der  Schlacht  bey  Rossbach      ...  18 

10.  Siegeslied  nach  der  Schlacht  bey  Lissa    .....  26 

11.  Lied  an  die  Kayserin- Königin  nach  Wiedererobernng 
der  Stadt  Breslau 33 

12.  Der  Grenadier  an  die  Kriegesmuse  nach  dem  Siege 
bey  Zorndurf.     ...          35 


in  ben 
gelb^ügett  1756  itnb  1757 


üon 


entern  ®reuaMer. 


[Vignette.! 


it  Wttiohittn. 


Berlin, 

Bet)  Slirtftian  i^riebric^  35o§. 


[2sf.  2.]  !i)orbend)t. 

pie  2Beh  fennet  i^evcit^  einen  X^di  ücn  tiefen  fiebern; 
unt  tte  feinern  Üefer  l)ahtn  fo  ine(  Ö^efc^mac!  tcixan  gefunten, 
tafy  it)nen  eine  üotlftänbige  unb  i?er6efferte  (Sammlung  ber= 
felben,  ein  angeneiimeö  @e[d)enf  feijn  mnfy  5 

-Ter  S?erfaffer  ift  ein  gemeiner  (2o(tat,  bem  eben  fo  inel 
^letbenmutf)  als  :poetifc^eä  @enie  3U  !tt}eil  geiüorben.  9)?ei)r 
a6er  unter  ben  SBaffen,  als  in  ber  i®d)ule  erlogen,  fd)einer 
er  fici^  e!^er  eine  eigene  ©attung  üon  Obe  gemad)t,  als  in 
bem  (Seifte    irgenb   einer  fd)on  befanuten  gebid)tet  gu  Ijahtn.  10 

SBenigfteniS,  ivenn  er  fid)  ein  beutfdier  fjoras  jn  toerben 
»ünf(,tet,  fann  er  nur  ben  9iut)m  be^  9iömer6,  als  ein 
h)rifc^er  ®id)ter  überl)au^^t,  im  (Sinne  ge^H  l^aben.  3)enn 
bie  d;iarafteriftif(^en  (Sd)ön!)eiten  beö  ^ora^,  fe^en  ben  feinften 
§ofmann  tcrauö ;  unb  iine  »eit  ift  biefer  "oon  [^f.  3]  einem  15 
ungefünftetten  .Krieger  unterfd)ieben ! 

%u6:)  mit  bem  pinbar  i)at  er  »eiter  nic^ti?  gemein,  als 
t^aS  antjaltenbc  ^euer,  unb  bie  TnsQßaru  ber  2Bortfügung. 

33on   bem   einjigen   Cyrtäus    fönnte    er    bie   t)eroif(^en 
©efinnuugen,   ben  @ei^  nac^  @efal;ren,   ben  (Stolj  für  baö  20 
^atertanb  ju  fterkn,  erlernt  I^akn,  toenn  fie  einem  '']>reuffen 
nic^t  ekn  fo  natürlid)  n^ären,  als  einem  (S^\irtaner. 

Unb  biefer  §etoiömuö  ift  bie   gan5e  33egetfterung   unferö 
2)ic^ter8.     So   ift   aBer    eine   fei)r   geliorfame  33egeifterung, 
bie  fid)  ntc^t  burc^  iüilbe  S^^rünge  unb  2{u0fd)U)eifungen  jcigt,  25 
fonbern  bie  h>af)re  Orbnung  ber  Segeknijeiten  ju  ber  £)rb= 
nung  ii)rer  (Sm|)finbungen  unb  23i(ber  mad)t.  ' 

SlUe  feine  SBilber  finb  ersten,  unb  alle  fein  ßr()at^ne§ 
ift   nait).     5>on  bem  poetifc^en  ^ompe  u>eiö  er  nid)t§ ;    unb 


^ral^ten  imb  j6tmmern  ]6e'.nt  er,  tt>eber  ai§  3)tc^ter  noc^ 
aU  ®o(tiat  ju  u^ollen. 

Sein  i^ina,  aber  bellt  nie  einer(ei)  .'pö!^e.    dben  ber  3tb(er, 

ber  tor  in  bie  Senne  fat),  (äf?t  fid)  nun  tief  beraf»,  auf  ber 

5  (Srbe   fein  i^^utter   ^u   fucben ;    unb   ba8   o!^ne   Sefc^abigunj^ 

fei=  [fSf.  4]  ner  Stürbe.   Stntäu^,  um  neue  Gräfte  gn  fammeln, 

mu§te  mit  bem  i^uffe  ben  ^oben  berüliren  fönnen. 

©ein  Xon  überljau^^t,   ift   ernftbaft.     9iur   ta    blieb   er 

nic^t  eTnftI)aft  —  too  e'?  niemanb  bleiben  fann.    !Denn  nn^ 

10  erujecft  ba§  ?aAen  unfehlbarer,  ai^  groffe  mädnige  5lnftatten 

mit    einer    f leinen,    f leinen   Sßirtog?     36   rebe   tM?n   ben 

broHigten  (^emii^lben  beg  'jRo^bac^ifcben  ^tebeö. 

©eine  ©pradie  ift  älter,  al^  bie  S^radie  ber  fe^tlebenben 

gröffern  2Belt  unb  tl)rer  Sc^riftfteller.    2)enn  ber  ?anbmann, 

15  ber  Jöürger,  ber  ©olbat  unb  alle  bie  niebrigern  «Stäube,  bie 

tcir  bas  Dolf  nennen,   bleiben  in  ben  ?^einl)eiten  ber  9?ebe 

immer,  tt*enigftenö  ein  l^alb  Oalirl^unbert,  jurücf. 

ätucb    feine  Slrt    ju   reimen,   unb   jebe  S^ik   mit    einer 

männlid)en  Sblbe   ju  fdilieffen,   ift  alt.     3n  feinen  Siebern 

20  aber  erbält  fie  ncd)  biefen  ^or3ug,  baf^  man  in  bem  burd>= 

gängig    männlichen  9veime,   ettoaö   bem    tur^^en  Slbfefeen   ber 

!riegerifd)en  Xrommete  äl^nliAeiä  3U  l^ören  glaubet. 

)Raä:)  biefen  (Sigenfcbaften  alfo,  toenn  irf)  unfern  6H-enabier 
ja  mit  J)id)tern  an§  bem  5tttertbume  tergteidien  feilte,  fo 
25  müßten  eä  unfere  Barben  feijn. 

[pf.  5]    Vos  quoque,  qui  fortes  animas  belloque  peremtas 
Laudibus  iu  longnm  vates  dimittitis  aevum, 
Phirima  securi  fudistis  carmina  Bardi*. 

Carl  ber  groffe  batte  ibre  ?teber,  fo  toiel  e§  bamalö 
30  ncdi  mpglid)  n*ar,  gefammelt,  unb  fie  tt^aren  bie  unfAä^barfte 
3ierbe  feineä  ^üd^erfaatö,  Slber  öjoran  ba6te  biefer  groffe 
SBeförberer  ber  (Selebrfamfeit,  al§  er  aüe  feine  93üc^er,  unb 
atfo  aud^  biefe  lieber,  nad)  feinem  Sobc  an  ben  Wtti)U 
bietl^enben  ju  t>er!aufen  befahl?   konnte  ein  römtfdber  .<?at)fer 

35         *  ?ucanu§. 


bev  2(rmutl)  fein  auber  i^ermäd)tnip  ijinterlaffen  *  V  —  O 
iDcnn  fie  nod)  iiorbauben  wären !  2Beld)cr  ©eutfdie  njürbe 
fid)  nidn,  nod>  ju  lueit  niel^rerm  bavum  v>erftel)en,  alöfjicPcs**? 

Ueber  bie  Ökfiinge  ber   norbifd)etn  Sfal^cn  fd)einet  ein 
i^ünftiger    ©efdud    geiüad)!    ]u    Ijaben.      S)od)    bie    Sfalbcn  5 
waren  bie  23rüber  ber  Bar=  [|3f.  6]  bcn ;  unb  wa^  ßon  jenen 
wal^r  i[t,  muß  and)  öou  biefen  gelten,     ißei^be  folgten  it)ren 
.perjogen  unb  Äöuigeu  in  ben  Ärieg,  unb  waren  Slugenjeugen 
»on  ben  £f)aten  it)reö  ^'otf^.    ©etfcft  auei  ber  (Sd)lad)t  blieben 
fie  nid)t ;    bie   ta^^ferften  unb  alteften  Ärieger  fc^ioffen  einen  lo 
Äreiö  um  fie,  unb  waren  Derbnnben  fie  überall  l}inju6eg(eiten, 
wo  fie  ben  würbigften  (Stoff  iljrer  fünftigen  Sieber  )}ermutl;eten. 
(Sic   waren   S)id)ter   unb    @efd)ic^tfd)reiber   gugleid);    wa^re 
3)iÄter,   feurige  ©efd)ic^tfdn"eiber.     2Beld)er  Öetb  üon  it;nen 
bemerft  jn  werben  bai^  ®IM  ()atte,    beffen  9tamc   war   un=  i5 
fterblid) ;    fo  unfterbtid) ,   alö  bie  (S(^anbe  be^  5einbei%   ben 
fie  flie^^en  fat)en. 

§at  man  fid)  nun  in  ben  foftbaren  Ueberbteibfeln  biefer 
uralten  norbifdieu  §elbenbic^ter,  wie  fie  unö  einige  bänifd)e 
©elet^rte  aufbeljaheu  haben***,  umgefel)en,  unb  fid)  mit  i^rem  20 
©eifte  unb  it)ren  ?(bfid)ten  befannt  gemad)t ;  t)at  man  jngleid) 
ba^  jüngere  @efd)(ed}t  üon  Barben  awo  bem  fd)Wäbifd)en 
Zeitalter,  feiner  9Iufmerffamfeit  wertl^  gefc^ä^t,  unb  iljre 
naiüe  (Spradie,  i^re  urfprüngüd)  beutfdje  3)enfungöart  ftubirt : 
fo  ift  man  einigermaffen  fätjig  über  unfern  neuen  ^^reuf-  [i3f.  7]  25 
fifd)en  Barben  ju  urtl^eilen.  Slnbere  S3eurtl;eiter,  befonberS 
wenn  fie  t^ou  berfenigen  klaffe  finb,  weidien  bie  fran3i5fifd)e 
'■]3oefie  aÜee  in  vrllem  ift,  wollte  x&)  wol^t  für  il)n  «erbeten  ^ben. 

9'Jod)  befi^e  id)  ein  gan,  f leinet  l'ieb  üon  il)m,   welc^eiä 

*Eginhartus  in  vita  Caroli  M.  cap.  33.     Similiter 
&  de  libris  —  statuit,  nt  ab  bis,  qiü  eos  habere  velleut,  justo  so 
pretio  redimerentur,   pretiumqne  in  pauperes  erogaretur. 

**(Teorg.  Hickesius  in  Grammatica  Franc o-Th  eo- 
disca  c.  I.    0  utinam  jam  extaret  augusta  Caroli  M.  Biblio- 
theca,  in  qua  delicias  has  snas  reposuit  loiiDerator !    0  quam 
liibens,  quam  jucundus  ad  extreiuos  Caroli  imperii  fines  pro-  35 
ticiseerer,  ad  legenda  antiqua  illa,  aut  barbara  carmina ! 
***  ?{nbveag  S^ettejuS  unb  *]3etvuö  ©eptimuö. 


6 


in  ber  (Sammlung  feinen  ^ta^  finfcen  bnnte ;  id^  toerbc 
n)of)(  tf)un,  tvenn  i(^  tiefen  furjen  Sorterid)!  bamit  tereidjere. 
Sr  fc^rieb  mir  auß  bem  l'ager  Dor  ^n-ag :  „3)te  'i|3anburen 
„lägen  naf)e  an  ben  SBerfen  ber  (itabt,  in  ben  §ö(en  ber 
5  „2BeinBergc;  alö  er  einen  gefeiten,  ftafce  er  nad)  i'^m  i)'m= 
„gelungen:" 

2öaö  liegft  bu,  nacfenber  'J^^anbur ! 
^ed)t  lüie  ein  .^unb  im  Scdi? 
Unb  toeifeft  beine  ^'äbm  nur? 
10  Unb  6eÜft?    (So  teiffe  bod)! 

@g    fönnte    ein   .'peraui^forbrnng^lieb    jum    3^2*?'^'^ni^f   ^^^ 
einem  ^anburen  l^eiffen. 

Qd)  !>offe  ükigeuij,  taf,  er  nod)  nid}t  baö  le^te  (Siege§= 
lieb    foH   gefungen   ^a6en.     3^^^    f^'^tte  er  ba(b  ober   fpät; 
15  feine  Sluffdjrift  ift  fertig : 

Eljui   S^iyoi  xhsQaTcuiv  /isv  ^EvvaXioio  dvaxTog 
Kai   Blovdswv  agaTot^  d(OQ0v  sniga^isvoc. 


[3]    ßt\)  Cröfnung  kB  M^jw^ts  i 

1756. 

^rieg  ift  mein  Sieb  !  SBeit  alle  2Be(t 
.trieg  iüiü,  fo  fei)  eS  iltieg !  ,     , 

Sßerün  fet)  ©|)artvi!  ''43reu[fenö  §e(b 
©efrönt  mit  di]x\)m  unb  ©ieg! 

[4]  @ern  lüiü  id)  feine  2:f)aten  tl^nn ;  5 

3)ie  Setter  in  ber  ^anb, 
äßenn  meine  i»(utgen  Söaffen  rul)n, 
Unb  f)angen  an  ber  Sßanb. 

2lucf)  ftimm  i^  I^o^en  ©c^tad)tgefang 

ÜJfit  feinen  Reiben  an,  10 

33et}  Räuden  unb  2;rom|jeten  Älang, 

3m  Särm  toon  ^o§  unb  9J?ann ; 

[5]  Unb  ftreit',  ein  tapixtx  ©renabier, 
^on  5ne<5rici]5  3)tutt)  erfüüt ! 
SBaS  ac^t  idi  eg,  njenn  üBer  mir  15 

Äanonenbonner  brüllt? 

@in  §eib  faü  ic^ ;  nod)  fterfcenb  bro^t 

Tlnn  (Säbel  in  ber  ^anb ! 
Hnfterblti^  madjt  ber  Reiben  2;ob, 

2)er  Zoi  für?  ^'atertanb ! 

[6]  Und)  iömmt  man  auS  ber  2Be(t  baüon, 
®ef(^tüinber  toie  ber  S3ü^ ; 
Unb  n)er  i^n  ftirbt,  befömmt  jum  ?o^n, 
Qm  ^immel  \)o\)m  <S>ii}l 


20 


[2.  Sieb. 

25  2Benn  abex  xd\  aiS  [otcb  ein  ^elb, 

3^tr,  Wlax»,  nicfit  fterkn  foü, 
^iic^t  glättgen  [oü  im  (gternenjelt : 
(So  (eF  id)  bem  9t|^oIt! 

[7]  (So  »erb  au8  ^rieörid^s  ©renabiet, 
30  ^em  (Sd)U^,  ber  9^ul)m  beö  (Staate  j 

(So  (ern  er  beutfrfier  (S^^rac^e  ^kx, 
Unb  toerbe  fein  .^ora^. 

y         3)ann  fin^e  ®ott  unb  ^rtcbcrid], 
A  9Hd)t§  fteinerg,  ftoisef!  ?ieb ! 

35     /   ^       2)em  2lbler  gleid)  erriete  bicfe, 
^er  in  bie  (Sonne  fiet)t! 

[8]  —  —  mares  animos  in  Mavtia  bella 
Versibus  exacuo  —  — 

2         [9]  BtcgesUcb 

na^  ber  <S(^Ia(|t  be^  Somofi^^  bcn  Itcn  Otiofttt  1756. 

[11]  ©Ott  bonnerte,  ba  flo!^  ber  i^einb ! 
Singt,  Vorüber,  finget  ©ott ! 
3)enn  5riebcrid],  ber  93?enfd)enfreunb, 
Öat  o6gefiegt  mit  ©ott. 

5  33ei:)  Sluj^ig  fallen  n^ir  ben  ^e(b ; 

2Bie  feurig  brannten  n^ir, 
3u  fte^n  mit  i^m  in  Siegc§fetb ! 
3^un  flehen  loir  eg  i^ier. 

[12]  (Sr  ging,  mit  einer  fleinen  SAaar, 
10  3)en  SiegeSaeg  ooran  ! 

Unb  fAlug,  tt»o  ^einb  5U  fcfjlagen  toar, 
Unb  mad)t  une  reine  ^aijn ! 

2Bir  fjatten  9?a(f)t,  er  aber  nid)t. 
!Du,  l)oi)cx  %\xiiiito\'oü  l 
15  (Sal^ft  ifin,  im  ÖeCben  3(ngefic^t, 

2)en  WiUx§,  unb  ben  %poU\ 


Q 

2.  Sieb.]  ^ 

[13]  9luf  einer  Srommet  faß  ber  §elb, 
Unb  backte  feine  ®d}Iac^t, 
!^en  ^pimmet  ü6er  fid)  3um  ^dt, 

Unb  um  [ic^  !)er  bie  dladjt.  20 

St  badne :    „3^^^^^  f^"^  ^^^^2^'  *^i^^/ 

„i^aft  HUt;^  ift  if)r  e^^ott! 
„Slüein,  UHir  iljver  nod)  fo  "cid, 

„®o  fd)(ai3  id)  fte  mit  @ott!" 

[14]  3)ag  ba*t  er,  [al^e  SWorgenrot!),  ^^ 

33er(angen  im  @efid)t! 
©er  gute  9J?orgen,  beu  er  hoti), 
2Bie  munter  toar  er  nid)t! 

©firang  auf  Don  feinem  §e(benfi^, 

©prac^ :   „(S^  nod)  ®onne  fc^eint,  30 

„^ommt,  .gelben !  hinter  Soöjofi^, 

„3u  fe'^en  meinen  i5etnb  !  " 

[15]  iJ)a  famen,  IDill^elm,  BcDcrn,  Keitl^, 
Unb  33rauufd}ir^eigö  ^crbinanb! 
55ieT  groffe  öeCbeu,  iceit  unb  Breit  35 

^'uri^  i()ren  3)tutl;  kfannt. 

2tud)  brangen  anbre  .'petbcn  fid) 

2)en  groffen  gelben  nac^, 
3n  [te!^eu  nekn  ^ricbcrid], 

3u  t)crd)en,  toaö  er  fprac^  !  40 

[16]  i^rei),  ttjie  ein  Oott,  ):on  '^ur^t  unb  @raug, 
33oII  menfd)Iic^en  @efüt)lö, 
(Stei)t  er,  unb  tf^eilt  bie  ^vollen  auS 
3)eö  groffen  Srauerf^netö ! 

3)ort,  f|)ri6t  er,  fteltie  9teuteret),  *^ 

§ier  guB^^otf!  —  %{k§  fteljt 
9ln  groffer  Orbnung,  ©i^redenfret), 

Onbem  bie  ©onn  aufge^^t. 

[17]  ®o  ftanb,  ai^  @ott  ber  §err  erfc^uf, 

2)aä  §eer  ber  "Sterne  ba;  50 


10 


@el)or[am  ftaitb  t§  [einem  ^iiif 
3n  groffer  Orbnung  ba ! 

2)te  ©onne  trat,  mit  ü^iefenfdjritt, 
Stuf  i^rev  §immeIi§Bat)n 
55  ^etüor,  ba^  wir  mit  il;rem  Stritt 

,2luf  einmal  t'or  unä  faf)n : 

[18]  (Sin  unauff)ör(id)  £Yiege§^eer, 
§od)  ükr  ^erg  unb  Sfjaf, 
^anburen,  tote  ber  ®anb  om  Tte^x, 
60        /  Kanonen  oI)ne  3a'f?t ! 

Unb  ftujten,  .^pelbeu  lr*ol)I  eriauBt, 

9iur  einen  2lugenHi(f ; 
@in  Haarbreit  fc^lugcn  h)ir  baö  |)au)3t, 

2)od)  feinen  %n^  jurücf! 

65         [19]  2)enn  alfo  fcalb  gebac^ten  iinr 
%n  ©Ott  unb  35atertanb; 
©tracfg  tvar  ©olbat  unb  Officier 
/(  ^oU  2c>mmmuti),  unb  [taub. 

Unb  näl)erte  bem  i^-einbe  [id}, 
70  9)?it  gleichem  groffen  (Sd)ritt. 

.•patt !    jagte  ilönig  Sviebevid], 
.^alt,  ba  lüar  eö  ein  Sritt. 

[20]  (5r  ftanb,  befaf;  ben  ^einb  unb  [prad^, 
2Bag  ju  tierric^ten  fei) : 
75  2Bie  ©otte^^  ©onneriüetter  6rad} 

/  §erJ?or  bie  9teuterei)! 

§ui^ !    fagte  dlo^  unb  9}fann  3ug(eic^, 

i^Iog  ntit  ©erraffet,  tie§ 
l'anb  l^inter  ftd),  h'i^  (Streich  auf  (Streich, 
80  Stuf  '■;]ian3er  ^^an3er  ftief3 ! 

[21]  3u  mut^ig  jagte  fic,  3U  ujeit, 
3)en  3n)et)nta(  ftüd^tgen  i^einb, 
©er  mef)r  burd?  ^^rug,  alö  Sapferfeit, 
Unö  3U  be3n)ingen  meint. 


[2.  Sieb. 


11 

2.  Sieb.]  

2)enn,  tfircr  §i^e  tiel  ju  früf),  85 

^attetfdjenfeuer  unter  fie, 
Stug  tüdfdiem  öinterfjatt! 

[22]  2Bte  fcoSf^aft  freut  ter  Ungar  ft(^, 

3)  ein  ^ift,  ntd)t  Wlntb  gelung!  9o 

(Sie  fliegt  jurücf,  unb  ^rteöerid) 
§ält  tf)re  9}tufterung. 

^a!    35ater  3cDern!    riefen  tt.nr, 
•  Un:§,  un§  '^^atronen  t;er ! 

®enn  beinern  armen  Öhenabier  95 

■5ft  fdion  bie  Xa\ä}i  teer. 

[23]  SBenn  er  nid)t  'i]3ul»er  nneber  l^at, 
(So  bat  er  l^ier  fein  @rab ! 
3!)ie  .^unbe  regnen  Äugetfaat 

35on  i{)rem  £t;urm  i^erab!  100 

(Stürjt,  f^^rad>  er,  fte  tion  ifjreni  S^urm 

dJtit  Sajonet  f>era6! 
3Bir  tbaten  e§,  toir  liefen  (Sturm, 

2Bir  ftürjten  fie  I;erat\ 

[24]  2öir  riffen  SDiauern  ein,  'ipanbur!  105 

(Sr fliegen  belnen  'Sd)ut3! 
Unb  boten,  'itieger  ßon  3?atur,         "")/ 
S)ir  in  bie  9?afe  Sru^ ! 

2)u  liefeft,  ir>a§  man  laufen  tann ; 

5)u  fi^rungeft  in  bie  Stabil  110 

2Bir  riefen :    „^Ueö  l^inter  an, 

„Saä  .^erj  im  ^eibe  l;at!" 

[25]  2)er  ta^^fre  IDill^cIm  aber  nabm, 
Unb  führte  bet)  ber  $anb, 
S)id^,  2TcülIer!  an,  unb  |>tö§(id)  fam  115 

^^anbur  unb  (Stabt  in  23ranb! 

Unb  33rüber,  3raun,  ber  ^(uge,  rcic^, 
SJoü  Reiben  (St)ferfud)t ; 


12 


^te|3  unö,  unb  unferm  ;fricbend^ 
120  2)ag  (Sd)Ia(^t[e(b,  nalim  bte  ^^(ud)t. 

[26]  äßer  aber  ^at  burd)  feine  '^aä^t 

3)id)  Braun !  imb  btcf),  ''^^anbur ! 
Qn  2lngft  gefegt,  in  gluckt  gebracht? 
©Ott,  ber  auf  Söolfen  fu^r! 

125  ©ein  jDonner  jürnte  beinen  Ärteg, 

S3t§  fpät  in  fAtoarje  9?afl)t. 
9ßir  aber  fingen  unfern  ®ieg, 
Unb  :preifen  feine  dJiaäjt ! 

3       [29]  5d)latl)t0c|'ani3 

Be^  dröfnung  beS  ^clbjugeS  1757. 

2(uf  trüber,  ^ricbrid],  unfer  §etb, 
5)er  i^einb  üon  faufer  Srift, 

9tuft  unö  nun  toieber  in  baS  Selb, 
2Ö0  ^'ul;m  jn  l)ol}(en  ift. 

5         [30]  äBaö  foH,  0  Sal^jatfc^  unb  ^^anbur, 
aSaö  foll  bie  träge  $Haft? 
2luf  l    unb  erfahre,  ba^  bu  nur 
Sen  S:ob  terf))ätet  fjaft, 

y     9lu8  beinern  ©d)äbe(  trinfen  iinr 
10         "'  iBalb  beinen  füffen  2Bein, 

3)u  Ungar !    Unfer  i^elb^anier 
(5on  fofc^e  i5(afd)e  fei)n. 

[31]  ©ein  ftarfeö  ^eer  ift  unfer  Spott, 
5ft  unfrer  Söaffen  ©piel ; 
15  IDenn  iraö  fann  n>iber  unfern  @ott, 

djerefia  unb  Brülil? 

2öag  Reffen  Sßaffen  unb  @efd)ii(j 

Qm  ungered)ten  itrieg? 
©Ott  bonnerte  bei)  foiüofil^, 
20  Unb  unfer  loar  ber  (Sieg. 


[3.  Sieb, 


1  '^ 

4.  £ieö.]  

[32]  Unb  Bot  un§  in  t>er  ad)ten  (Sc^Iadjt 
O^rango^  unb  Otuffe  2;ru^, 
®o  tackten  i»ir  bod)  il;rer  ä)?ad)t, 
3)enn  ©ott  ift  unfer  Sdiu^. 

[33]  5d)lod)t0cran9  4 

öor  bcr  <5^Ioi^t  k^  ^rag,  bcn  6ten  9Jitt^  1757. 

[35]  2Baö  fanuft  bu?    Satpatfd}  unb  ^anbur, 
©olbat  unb  Officier ! 
SBai^  fannft  bu?    ^-liel^en  fannft  bu  nur; 
Unb  [legen  fönnen  luir. 

2Bir  fommen ;  ^ittre !   3^einen  Xot  5 

ißetfünbigt  9io§  unb  3}tann  I 
äßir  fommen,  unfer  Äriege^^gott,  | 

.^elb  5n^önd?,  ift  yoran! 

[36]  2lu(^  ift,  mit  [einer  §e[ben[diaar, 

©er  .ipelb  5d]u?crin  nid)t  fern,  ^o 

Sßir  fe'^en  ibn ;    ©ein  graueö  ^aax 
@Iän5t  un3,  alö  nne  ein  ©tern ! 

Sag  ^ilft  eS,  i^einb,  ba^  groß  ©efd^ü^ 

©te'^t  um  bid)  l)er  ge|)f(an3t? 
2Baö  l;i(ft  e^,  baf^  mit  tunft  unb  äöi^  i5 

2)ein  Vager  ftel^t  umf(^an3t? 

[37]  ®el)orfam  feurigem  53erftanb  ■■■ 

Unb  alter  2Bei3f)eit  nun, 
©te^n  toir,  bie  Söaffen  in  ber  §anb, 

Unb  tootten  2;i;aten  t[;un.  20 

Unb  iDoKen  trogen  beiner  9}?ac^t, 

9(uf  I;of;em  ^^elfenfi^, 
Unb  beinem  ©treic^,  unö  3ugebad}t, 

Unb  beinem  .^riege^ivi^. 

[38]  Unb  beinem  ©tolj  unb  beinem  ©pott ;  25 

3)enn  biefen  böfen  Ärieg 


14 

_lZ [5.  Sieb. 


^aft  bu  gebofjren,  fcrum  ift  ©ott, 
ÜRit  unö,  unb  gieh  unS  «Sieg ! 

Unb  läßt  un^5  ^ err Ud)eu  ©efang 
30  SInfttmmen  na6  ber  (Sd^fac^t. 

<Scfett)eig  l'et)er !    syöxt  Srompetenflang 
©tili,  Vorüber!    gekt  arfjtl 


[41]  5t€g£öUeb 

not|  ber  ®j^(at^t  öe^  ^rog  ben  6tcn  SWo^  1757. 

'''  SJtctotta!  mit  un^o  ift  @ott, 

2)er  ftolje  ^einb  liegt  ba ! 
(ix  liegt,  gered)t  ift  unfer  @ott, 
@r  liegt,  Victoria! 

[42]  ^)X)ax  unfer  Später  ift  nit^t  nieljr, 
3eboc&  er  ftarl6  ein  ^^elb, 
Unb  fief)t  nun  unfer  ©iegeölieer, 
35om  I^ol^en  ©ternenjelt. 

St  gieng  toran,  ber  ebte  ©reiß ! 

Sio.ü  @ott  unb  i\-iter[anb. 
©ein  alter  £o|)f  n)ar  fanm  fo  weiß, 

3l(ö  tapfer  feine  :^cini'. 

[43]  9)?it  jugenbüd}er  §e(benfraft 
(ärgtiff  fie  eine  S^al^n, 
§ie(t  fie  empor  an  il)rem  ©Aaft, 
2)aß  n?ir  fie  alle  faljn; 

Unb  fagte:    „tinber,  33erg  ^invtn, 
,.,  2(uf  ©d)anjen  unb  ©efc^ü^  ! " 

2Bir  folgten  alle,  5D^ann  oor  9J?ann, 
@efd)tt)inber  wie  ber  23lig. 

[44]  2ld) !    aber  unfer  Spater  fiel, 
3)ie  i^a^ne  fan!  auf  it}n. 
^a!  n?elc^  glorreichem  Se6enljiel, 
©lüdfeliger  5d}vomnl 


1  'S 

5.  Sieb  ]  LT 

Xdn  ^ricbertd]  Ifcit  fctd)  teaeint,  25 

-Snbem  er  iuu°  getot ; 
2ßtr  akr  ftüqten  in  ben  ^^einb, 

3u  räcben  fceinen  2ob. 

[45]  Du,  f^cinrid],  n>areft  ein  ©oifcat, 

i)u  foÄteft  Sl'öntglicf) !  30 

Sil-  \al)tn  aöe,  Sljat  cor  Stjat, 

Du  junger  l^öto',  auf  bic^ !  NC 

2)er  ^^ommer  unb  ber  9}?arfer  [tritt, 

DJfit  rechtem  Gl^rifteu  WluÜ). 
9?ot^  n.-'arb  fein  (Scf)ö)erb,  auf  feben  ©c^ritt  35 

%lo^  bicf  ^^anburen61ut.  s/' 

[46]  %nS  fielen  ®d)an5en  jagten  irir 
2)ie  ?^Zü^en  t'cn  bem  2?iir. 
Xa,  ^ftcbrid],  gieug  bein  ©renabier 

Un]  ?etd}en  t)od}  einiger.  40 

3)ad)t,  in  bem  mörberif(^en  ^am^f, 

©Ott,  i^aterlaub,  unb  S^id), 
(Sa^,  tief  in  fd)ioar3em  9taud)  unb  '3)ainpf, 

5)id)  feinen  ^rieSerid]. 

[47]  Unb  gitterte,  lüarb  feuerrot^,  4^ 

Qm  hiegrifdien  @efic^t, 
(Sr  gitterte  oor  ©einem  S^ob, 
3^or  feinem  aber  ni6t.) 

^erad)tete  bie  ^ugelfaat, 

Dn  ©tücfe  2)onnerton,  00 

©tritt  toütenber,  tt)at  öetbent[;at, 

23i:ö  iiDeine  i^einbe  floljn. 

[48]  9?un  banft  (Sr  @ott  für  feine  madjt, 
Unb  fingt :    Victoria  ! 
Unb  alle«  23(ut  aut^  biefer  @d)(adjt  55 

Stiegt  nad^  Clierefia. 

Unb  toeigert  fie  auf  biefen  5:ag, 
Xm  {^rieben  »orjujieijn; 


"  [6.  7.  Sieb. 

(So  [türme,  5rtebrid?,  erft  i\)x  ^rag, 
«0  Unb  bann  fül)r  unö  uad)  SBien. 

6       [51]  Jd)lttd)f0cfait9 

tjor  bcm  treffen  Be^  G^ottin  bcn  18ten  Snni«§  1757. 

©el^t,  lüie  fie,  bte  (i^i'ditagene, 

9Zod)  troijig  ^act)e  gtül;n !    . 
2)a  [tel;n !  ntd)t  3ittern,  benfen :    @eb, 

@e^,  ''^jireuffe!    bod)  mid)  2Bien. 

5  [52]  Slnf  f)ol)en  i^etfen  fte(;en  [ic, 

3n  i^rem  Slblerneft, 
§ot)nlac^enb ;  Vorüber,  fe^et  fie, 
@ie  träumen  ©tegeSfeft. 

(Sie  iDotlen,  !^unberttaufenb  DJtann, 
10  lln^  üteriütnben ;   i^al 

2(uf,  5i"ie<5fid?,  auf!    Wit  unig  litnan! 
9}iit  ün§,   23ictorta! 

1        [55]  ftcb 

ntti^  ber  St^Iar^t  6e^  Goflitt  Öcn  18ten  ^uniuS  1757. 

3urücf,  rief  Leiter  5rict>crid], 

3urüd,  rief  er,  jurücf! 
S'Ja^bentenb  bac^t  er  fc^on  6ei)  ftd) : 

©Ott  gieot  bem  geinbe  @Utd. 

5  [56]  2Bir  aber  [türmten  nod)  ba»  9k[t, 

2Bir  iDoiten  nod)  l^inan ! 
Wix  kletterten,  loir  hielten  feft 
Un^  aneinanber  an. 

Unb  fagten  bem,  ber  oben  [tanb : 
10  225ie  fommen  n^ir  berauf? 

Unb  fd)Iugen  tapfer  .f)anb  in  §anb, 
Unb  l)alfen  un^S  f)inanf. 


17 
7.  Sieb.]  L! 

[57]  ©0  ftürjte  üon  Äartet[(^enfoat 
©etroffen,  eine  ©djaar 
S5on  gelben,  ol^ne  .'pelbent^t,  is 

!^ie  i/alh  fc^on  oben  war ! 

3)a8  fa^e  ^riebrid].     §immet!    5ld)! 

2öte  Blutete  «Sein  C'^rj! 
2Bie  ftanb,  Bet)  mitletbätoHem  Slc^, 

©ein  Sluge  .^tmineti»ärts !  20 

[58]  Saö  für  fanftmüt^ge  33Itcfc  gab 
©ein  .^etbenangefic^t ! 
2a%  tief  er,  ^inber,  la^t  bod)  ab! 
2Kit  uns  ift  ©Ott  ^eut  nic^t. 

2)a  üeffen  toir  ben  Blöben  ^dni  25 

3n  feinem  t^elfenneft. 
9^un  iuBelt  er ;    0  9}Jenfc^enfreunb  1 

9^un  ^at  er  ©iegeöfeft. 

[59]  3Bie  faun  er  aBer?   33rüber,  fagt! 

(gr  !ann  ja  nietet,  fürwahr!  30 

S)enn  ^Ben  xoix  if)n  nic^t  gejagt, 
@o  toeit  gu  jagen  i»ar? 

2Bir  ftritten,  nid^t  mit  9?o^  unb  Wlann, 

SWit  i^elfen  ftritten  toir. 
§ier,  ^elbeuBrüber,  Binb  er  an,  35 

§ier,  33rüber,  fieg  er !    l^ier ! 

[60]  S)u  geinb!   ^eraB  in  grüneS  %dt, 
Unb  toeife  fre^e  S3ruft, 
Unb  ftreit  unb  fieg  unb  ftirb  ein  §elb! 

§ier  ift  ju  fterben  ?uft !  40 

Slüein  ber  blöbe  toagt  fic^  nic^t, 

Sir  mögen  lange  fte{)n 
Unb  auf  i^n  tttarten.     5riebrid^  f^rid^t : 

(Seilt  Kinber!   Sa^t  un8  ge^n. 

Sittetaturbenfmale  be8  18.  Sa^r&unbertä.    4.  2 


1  s 

izj [8.  9.  £ieb. 

8  [63]  ^crttttsforbntn^slicb 

bor  bei;  «St^Ia^t  (c^  9loPai^  am  4ten  9lobetnBet  1757. 

^erauö,  auö  beiner  Solfeggruft, 

t^^urdjtBareS  §e(t>enf)eer, 
§erau§  jum  (Streit  in  frifc^e  ?uft, 

3Jlit  ÜJiutl^  unb  «Sc^kc^tgetDel^r ! 

5         [64]  2Bir  ffeiner  §aufe  iBad^en  fc^on, 
Unb  fingen  ©d^tac^tgefang, 
Unb  toecfen  bic^  mit  ^riegeöton, 
Wit  ?ärm  nnb  SBaffenflang. 

2Ba6  fc^Inmmerft  bu?  ®te  träge  9?aft, 
10  ©c^idt  bie  für  gelben  fic^? 

''-  SBenn  bu  gerechte  ©ac^e  tjaft, 
Söarum  oerfried)ft  bu  bicb? 

9  [65]  <Stei5CBUeJi 

not^  ber  ©ri^Ia^t  6c^  0loprf^  am  5  tcn  Slobemfict  1757. 

[67]  (grfc^atle,  t)o^e8  ©iegeSlieb, 
(Srfc^aKe  toeit  nmt)er! 
jDa^  bi(^  ber  ^einb,  toofiin  er  ftiel^t, 
33erne!^me  ^inter  l)er. 

5  ©en,  toelc^er  unfern  Untergang 

3n  böfem  ^erjen  trug, 
2)en  fc^Iage,  mut^iger  @efang, 
2Bte  ^neberidj  itin  f^Iug! 

[68]  (So  iDie  ein  junger  ^öiwe  liegt, 

10  Unb  laurt  auf  feinen  %änti, 
jDer  ftolj  ift,  in  ©ebanfen  fiegt, 

3i)n  leicht  3U  jtüingen  meint ; 

(So,  to^jfre  33rüber !    lagen  trir, 
2öir  fteiner  §auf  im  X^al. 
15  S)er  9l6enb  !am,  ba  fd)ücfen  lüir, 

9kc^  langem  ÜJJarfc^  einmal! 


19 
9.  Sieb.]  ___LL__ 

[69]  S3oni  ^mtt'crbonner  eingetotegt, 
Unb  ton  ber  3Baffen  Saft 
(grmübet,  fd^tiefen  xcix  vergnügt, 

Unb  i)atten  gute  9iaft.  20 

9?ur  ^ricbrid^,  aeld^er  immer  iuad^t, 

9?ur  unfer  §elb  burc^ritt, 
Sßoü  Slnftalt  ju  ber  naijen  ©(^lac^t, 

S)ie  i^elber,  (Schritt  üor  ©c^ritt. 

[70]  5Bom  (SternenüoKen  §immel  fal^n  25 

5d]ir>erin  unb  IDinterfcIb, 
S3etounbernb  ben  gemachten  ^^(an, 
@eban!ent»oII  ben  §elb ! 

©Ott  aber  luog  Bei)  ©ternenflang 

©er  fcel)ben  v^eere  ^rieg,  30 

@r  toog,  unb  '■]>reuffeng  (Seeaale  fanf, 

Unb  £)eftreid)g  (Sd)aale  ftieg. 

[71]  2)er  'üHd't,  ber  neben  Jt^ronen  fi^t 
3m  ungetreuen  2Bten, 
Änirfc^t  mit  ben  3ä^}J^c"'  '^adjt  bli^t  35 

2tui§  Stugen,  votldje.  g(üf)n ; 

üDer  fiatte  toiber  2)eine  ^DJac^t 

Unb  2Be{g^eit,  5ricbcrid)! 
3)er  (Srbe  i^ürften  aufgebracht, 

@ott  aber  blieb  für  5)ic^.  40 

[72]  D'^un  mögen  fie  feel)  itirem  ^rieg 
55erratl)en  im  @efid)t : 
Xzx  §immet  gebe  fo(d)en  (Sieg 
3)em  Ungerechten  nic^t. 

3)er  groffe  9}Jorgen  brac^  fierüor,  45 

Unb  brad)te  groffen  Xag, 
jDen  -Diorgengru^  in  unfer  Ol^r 

Srug  mancher  jDonnerfd)(ag. 

[73]  2ßir  aber  ^örten  faum  barauf, 

2Bir  backten  feinen  Sob;  50 


20 


2ötr  ftunben  auögetufjet  auf, 
Unb  fochten  9}?orgenbrob. 

S)te  ^etnbc  fonimen,  fagte  man, 
235ir  a6er  6üe6en  ftiü, 
55  2Bir  fal^n  fie  fommen,  ncd)  baran, 

Sir  abtx  HieSen  ftitt! 

[74]  2)enn  5riebrid^  icar  noc^  nic^t  311  \tijn, 
5ßig  iHori^  jagte,   SOfarjd)! 
^on  aKen  toar  @t  nun  ju  fe'^n, 
60  Unb  otle  jagten,  SiRarjc^! 

2luÖ  unjer  aÜer  Slugen  ftieg 
(5in  redetet  t^reubenjtra!^!. 

2Bir  iDutben  ade  lautet  ©ieg, 
Unb  tackten  il)ret  3^^^- 

65         [75]  2Bir  Itejen  äße,  a)Jann  bei)  2«ann, 
(Sin  jeglicher  ein  .g)e(b! 
21(8  sollten  ö)ir,  Serg  ab  33erg  an, 
2)ur(i^(aujen  alle  SBelt. 

2Bag  meinte  ba  ber  bumme  t^einb? 
70  @r  meint  e8  n?äre  ^(ucfjt; 

©jjric^t  jic^  etnanber,  n^aS  er  meint; 
©d^toiHt  auf  t»on  ©iegegju^t; 

[76]  ^id)t  einen  grojjen  tjalben  9JJonb 
Um  unjre  5tud)t  fierum; 
75  9tuf t  laut :    ber  §»unbe  nic^t  gejc^ont ! 

2Bie  bumm  toax  er,  i»ie  bumm ! 

2Bir  liefen  auf  ber  ©iegeSba^n, 
!l)ie  ^ricbrid]  in  ber  9?ac^t 
©etitten  icar,  unb  na&f  bem  '^ian, 
80  ©en  (Sr  allein  gemacht. 

[77]  (S§  xoax  ein  rechter  Sßettelauf, 
(Schneit  aber  ^örten  ftiir  : 
§a(t !  rietet  euc^  !  marj(^iret  auf ! 
®tct)t!    ^^^Iö|?Ii(^  ftunben  toir. 


[9.  ßielj. 


-9.  Sieb.] 


21 


Wit  einem  ^üä  fonnt  unS  bet  iveinb 

Querüber  üBerfeI;n. 
35erfpottenb  \ai)  er  unö  »ereint, 

Vln§  f(einen  Raufen,  ftef)n.    • 

[78]  5)a  bad>t  ein  lüi^iger  t^ran3og: 
Unrü^müc^  fet)  bie  ©d)(ad)t, 
(Sein  Cubcn?ig  |ei)  tiet  3n  groß, 
3u  menig  5ricbrid]s  ?[Rac^t. 

21(0  aber  KcitF]  brauf  »or  unö  ^er, 
3)er  dritte,  ^euer!   rief, 

Unb  ^euer  toar;  o  ba  n)ar  er 
2)er  erfte,  tcelc^er  tief. 

[79]  SBaö  bac^t  er  bod)  in  [einem  Sauf? 
(Sr  bac^t,  erftarrt  unb  ftumm, 
2) er  §ijlle  9iacf)en  t^ut  ftrf>  auf, 
Sief  fort,  faf)  fid^  nic^t  um. 

2öelc^  einen  ®ieg,  o  ^ne^erici? ! 

®ah  ©Ott  uns  balb  unb  2)u! 
5tc^t  Raufen  ftritten  nur  für  2)ic^, 

3)ie  anbern  fat)en  ju. 

[80]  ©ie  ftritten  angefeurt  ton  2)ir 
Unb  £jeinrid]5  ^e(benmutt). 
(är  blutete,  toir  fat)n  eg,  mx, 
Unb  räd)eten  fein  S3Iut. 

§a,  Jt>e((^er  Donner  !  »elc^er  f  am^f ! 

2Bir  f^3ei)ten  g^Iamm  unb  S^ob ; 
2Bir  tt»anbetten  in  Ü^auc^  unb  !J)ampf, 

(Sd)iüar3  toie  ber  ^öüen  ®ott. 

[81]  S)u,  5ranfreid)ö  groffer  Donnerer*, 
33erftummteft !    di^tt  fid) 


85 


95 


100 


105 


110 


*  Scr  bevül^mte  Oraf  b'Stumale,  S'^ef  ber  furchtbaren  fran= 
jcftfc^en  3lrtttterie,  tit}  »elc^er  fic^  auc^  beffen  SJetter  b'Slumale, 
ber  fiA  fce?  ber  ©roberung  »on  501tnorca  ^^erüorgetfjan,  unb  ber 
gletc^faile  bcrüt)mte  DBriftc  Brijot,  nebft  mei^r  alS  '^unbert  Dfftctcren, 


^^  [9.  Sieb. 

L15  2tn  fceiner  ^unft  ein  ©tärferer? 

2öar  2T(üIIer  ü6er  bic^? 

[82]  ."pat  feines  1)onnerö  ©c^Iag  auf  (Schlag 
2)ir  nic^t  ein  §aar  berferannt? 
!Die  bro^enbe  Solenne  lag 
120  ©tracfg  l^ingeftrecft  im  ®anb. 

9}Jit  feinem  §äufc^en  S^euteret) 

§telj  Seybli^  mörberUc^ ; 
2BeIc6  ein  @eme^e(,  tcelc^  @efd)ret): 

2Bet  !ann,  bet  rette  fi(^ ! 

125        [83]  granjofe,  ntc^t  an  äJ^ann  unb  ^ferb, 
2(n  §e(benmut!^  gefcrid^tS. 
2Baö  l^ilft  bir  nun  bein  (angeä  ©d^toerb 
Unb  gtoffer  etiefet?   9?ic^t8! 

S)id)  jagt  ber  fd^tüärmenbe  .^ufar^ 

130  Ü)iit  einem  toilben  S3lid. 

9Jur  brol^enb,  Brad)t  er  eine  «Sc^aar 

©efangener  gurüd. 

[84]  9tei(^t  i^m  ber  Stitter  unb  ber  @raf 
!J)ie  £)rben  ?ubei»igg, 
135  ©ebulbig  t»ie  ein  frommet  ©c^aaf, 

3um  3^i^^"  feines  ©iegS : 

©0  forbert  er  fein  9J?enfd)enblut, 

(Sd)enft  if)m  baS  ?ekn  gern, 
Unb  fjjric^t  mit  tf)m  üom  |)e(benmut^ 
uo  2)e8  Ä^'önigö,  feines  ;^errn. 

[85]  3)en  S3ittenben  oerfc^onet  er, 
2)en  anbern  l^aut  er  fc^arf; 
33ergnügt,  toenn  er  ju  feiner  (S'^r, 
^ein  33lut  üergieffen  barf. 


unb  me^v  a(6  taufcnb  ^(rttttertftcn  befanben,  bie  fic^  verlauten  tteffen, 
bte  ^reuffen  foöten  ifinen  fein  §aav  öerbvcnnen,  unb  tcenn  i^re 
60000  SRann  bie  ©c^Iac^t  toerlö^ven,  fo  woüten  fie  folc^e  »ieber 
getoinnen. 


9.  £ieb.] 


23 


O,  toetc^  ein  ©c^Iad^tfelb,  a»eld}e  glu(f|t!  145 

2Bo  blieb  ber  groffe  SOJcnt? 
2Bo  rufen  fie  »oH  ©iegeöfuc^t : 

3)er  §unbe  nid^t  t)erfd)ont ! 

[86]  SBiKfommen  loar  bte  bunf(e  "^Udjt 

2)em  S^euter  unb  bem  9io§,  150 

2)aö  langfam  anfing  feine  (SA(ad)t, 
@efd)toinbe  [ie  befd)to§; 

Unb  allem  S^olfe,  baö  üom  9?eib 

§inein  gejtoungen  n^ar, 
9luS  allen  ?anben  iceit  unb  breit,  155 

2lm  jel^nten  Oanuar. 

[87]  S)em  Pfäljcr,  ber  üor  ©c^merj  nic^t  lief, 
®tarrl)altenb  feine  §anb 
©tillftanb,  unb  .^immeU   ^immeU    rief; 

3D'?ein  Ringer  ift  verbrannt  I  leo 

2)em  Cricrer,  tcel^er  guten  9}Jutt) 

Sn  langen  58einen  fü^lt, 
3m  kaufen  ftürjt,  unb  9?afenblut 

}^üx  SBunbenftröme  t)ielt. 

[88]  2)em  ;franfen,  ber  erbärmlid|  fd^rie,  les 

2Bie  eine  ^a^  im  S^ang, 
@ebel)rben  mac^t,  al^  mac^t  er  fie 
2luf  einer  ^olterbant 

Unb  al§  er  l)inter  fi^  ben  Xoii 

33on  33ergen  fommen  faf),  170 

Slnbäcbtig  betete  ju  @ott, 

Unb  f^.H-ad) :    ba  fommt  er  ja ! 

[89]  Sem  Brud]faler,  bem  armen  £ro))f, 
!l)er  t^tuc^  unb  ©eegen  fprac^, 
(£ic^  ju  üerfteden,  feinen  Äopf  175 

•3n  2Beiberl)aube  ftac^; 

Unb  feinen  groffen  ^nebelbart 
Slbfc^nitt,  unb  einen  ^fa^l, 


^^  [9.  £ieb. 

180  3Son  einem  Semfeerg  fta!)t. 

[90]  S)em  Sd^iDcifeer,  ber  auf  feiner  i^fuc^t, 
^odi  lebe  iricbridj!   rief, 
Unaufgefdjtoellt  üon  ©iegeSfuc^t, 
@ern  (aufen  fat),  unb  tief ; 

185  Unb  fagte:    „Sruber!    ^riebridj  ift 

„@in  re^ter  ©(^toei^ert)e(b, 
„(gitt  Sett;  ©Ott  ^i(ft  it)m  lüiber  Öift 
„Unb  maö^t  ber  ganzen  2BeIt!" 

[91]  2)em  5cf^ir>abcn,  ber  mit  einem  (S)>rung 
190  Wit  fcerganfte^^nbem  §aar, 

S3on  S^foPad)  fcig  nac^  Slmelung 
■3n  fetner  §eimat  toar. 

©em  Paberborner,  t»e(cf)er  @ott 
§orf)  ^3rie§  unb  feinen  ©^orn, 
195  Unb  bo(^  »on  faltem  (Scbrecfen  tobt, 

2ln!am  ju  ^aberborn. 

[92]  ©em  Hürenbergcr,  beffen  2Bi^ 
Umrennte,  toie  [ein  S^anb, 
©erül^rt  ßom  erften  SBaffenbüg, 
200  ©tarr  loarb,  unb  ftiüe  ftanb. 

ÜDem  2TJüTi[termanit,  ber  friec^enb  fc^tid| 

3n  bicfer  g^infterni^, 
33on  ^üxijt  unb  junger,  ritterüd^ 

On  ^um|)ernicfel  bi§. 

205        [93]  3)em  döHttcr,  ö)e(d)er  rotiieö  33Iut 
^ergtic^  mit  loeiffem  Sßein, 
Unb  f^ra(^ :  tote  gut  toär  eö,  toie  gut, 
5ßet)  meiner  33raut  am  9i^ein! 

©em  IDürtenbergcr,  ber  fein  ^ferb 
210  3lu8  bem  ®efd)toaber  xx% 

9)iet)r  f(og,  al8  ritt,  ^iftol  unb  ©Atocrb 
3um  S^eufet  t)on  fic^  f(^mi§. 


9.  £ieb.]  1 

[94]  Unb  bem  bejatilten  VTiayn^ev  auc^, 

3)er  o{)ne  $iutl;  unb  ^erj, 
(SaJ3  l^inter  einem  S)ornenftraud),  215 

^eiüeinenb  [einen  ©dimerg. 

gliei),  riefen  taufenb,  S3ruber,  flie^. 

©ie  bmmen  !    fie  [inb  ba  ! 
2luf  il^ren  Säudjen  lagen  fie, 

Unb  kten  ?eben.     §a!  220 

[95]  2Bir  gaben  eö.     ©er  2)?enfd)enfreunb, 
3)er  groffe  ^rieberid?, 
©eniüt^tgt  feinen  ftoljen  Seinb, 
Unb  bann  erbarmt  er  fid). 

@r  fiegt! gürtrefüc^er  ©efang,  225 

2Bir  l^akn  noc^  3U  tf)un, 
§alt  ein,  unb  tcerbe  tünftig  tang, 

2Benn  toir  t>on  ätrbeit  rul^n. 

[96]  Senn  ^rieörid],  ober  ®ott  burd^  tbn, 

3)aö  groffe  2Berf  tooHbrac^t,  230 

©ebänbigt  I;at  ba§  ftolje  2Bien, 
Unb  2)eutfd)tanb  frei)  gemadit. 

Senn  er  im  ®c^oo§  be§  t^riebenS  rul^t, 

SWit  ^orbeern  =  üotlem  §aupt, 
9?id)t  muffig,  täglic^  Sunber  tl;ut,  235 

Unb  feine  Sunber  glaubt. 

[97]  9'iac^th3ad}enb  feiner  Golfer  ®Iüd 
Unb  2ßof)Ifartf)  überlegt, 
Unb  @nab  unb  ^ulb  im  fc^arfen  33ü(f 

2)er  groffen  klugen  trägt;  240 

3u  ^otäbam  groffe  Seifen  lieft, 

^ai)  Sei^^eit  Stjaten  mißt, 
Unb  me^r  alö  atte,  bie  er  tieft, 

*(Sin  groffer  Seifer  ift: 

[98]  3)ann  fing  unS  aüe  S^tjaten  üor,  245 

S)ie  n^ir  mit  i^m  get^n. 


^"  [10.  Sieb. 

®er  @nfet  l^ab  ein  Iaufd)enb  Üijx, 
Unb  ftet)  unb  gaff  un§  an. 

■3egt  folgen  ich  bem  5D'ienf{^enfreunb, 
250  ®en  Slicf  gefe^tt  nad)  SBten, 

3u  fc^fagen  einen  anbern  ^einb, 
Unb  taffen  biefen  jieiin. 

10      [99]  ^tegesücb 

nor^  ber  St^loj^t   kij   ßifjo  bcn  5ten  3)ccem6er  1757. 

[101]  3m  a(leri)ö(^ften  Siegeäton, 

^^Ret^r  "-^pfalm  alg  ©iegeSüeb ; 
©tolj,  une  ber  i^einb,  el)  er  geflol^n, 
33efc^eiben,  tcie  er  fliegt ; 

5  ®tol3,  a6er  minber  ftotg,  als  er, 

S3et)m  @lü(f  in  feinem  ^rieg; 
(^ürtrefti(^,  nid)t  fiirtrefü^er, 
2llö  ber  erfodjtne  ®ieg ; 

[102]  (Starf,  ü3ie  ber  Krieger,  n^eld^er  fc^tug ; 
10  ©anft,  ttjie  ber  triebe  bod); 

^oc^,  lüie  beö  Slblerg  Sonnenfing, 
«Ott  ®ottc§  SBunber,  t)od)! 

dxlfaben,  wie  beä  .Reiben  @eift, 
5)er  Ueberüjinber  ift ; 
15  SBa^r,  baß  felbft  g^einb  ben  ©änger  greift ; 

©ottbanfenb,  toie  ein  (S^^rift ; 

[103]  ^ü^n,  toie  ber  Söire  üon  fic^  fc^aut, 
■3m  fönigtiAen  ®ang ; 
äßie  friegrifc^e  ^^rompete  lant, 
20  Srfd^alle  mein  ©efang! 

®enn  übermunben  ift  ber  ^^einb, 

-3n  (StauB  ift  er  getegt, 
SJerl^errlic^et  ber  9}fenfd)enfreunb, 

S)er  @otteg  ^cid^e  trägt; 


27 

10.  öieb.J 

[104]  ©ebänbtget  baö  [to(3e  aBien,;  25 

@eftürst  in  bunüe  9^arf)t; 
Unb,  aSrübet !     @ott  ^at  ®ieg  terüel^n 
3)em  9?e(^te,  nicfet  ber  2)?acf)t. 

2)rum  finget  fjetrüc^en  @e[ang; 

2öten  gittere  baro6  !  30 

!Irium|>f!   bem  groffen  @ott  [et)  Xaxti, 

3)em  gtoffen  5ricbrid^  80b ! 

[105]  dm  ©taxier,  ein  Slümäc^tiger 

©emann  für  xijn  bie  (£d)(acf)t. 
„'äiS  9iäcf>er  mü  id),  fprad)  ber  .^@rr,  35 

Vertreten  if)re  9)ia(^t. 

„SJ^ein  iJionner  foll  auf  it)ren  Äo^f 

„§art  treffen ;  freffenb  ©c^icerb 
„®oIl  it^n  gerfl^alten,  ba§  ber  3"^^? 

„2)eä  §aarÖ  gurücfe  fä^jrt !  40 

[106]  „Vernieteten  mü  icf)  if)ren  53unb; 
„SBürgengel,  fteig  !^erauf ! 
„9?imin,  .^öße,  nimm  in  beinen  (Sc^lunb 
„2)ie  (2c^aaren  Sobten  auf! 

„äßarum  üerfc^mä^n,  in  ftolger  '^rac^t,  45 

„5)er  @rbe  i^ürften  micf)  ? 
„33er (äffen  fid)  anf  i^re  9}?ad)t, 

©tefin  toiber  ^n^ö^nd?? 

[107]  „(Sinb  feiner  groffen  ©eele  feinb, 

„!Die  ic^  in  i(;n  gelegt?  50 

„Unb  machen,  ba§  ber  9}?enfc^enfreunb, 
„©ejtunngen  SBaffen  tragt? 

„©0  trag'  er  meine  9tac^e  benn,  -  / 

Unb  ftraf e  ®ie ! "  —  ©0  f^rac^ 
2!er  ^(ixx ;  fein  .^immei  I)ört  eS  an,  55 

©ein  3)onner  fprac^  eö  nac^. 

[108]  Unb  5rieberid^  toarb  neuen  Tlut^^, 
Unb  neuer  aBeiö^ett  ßoll, 


^^  LIO.  ßieö. 

SBetrübt,  ba§  et  be§  9JJenfd)enbtutt)8, 
60  S^Jic^t  [d)oneti  hnn,  ni^t  fott. 

2Ba§,  33rüber,  ttiat  er  in  ber  9?ad^t, 

^'nbem  er  bem  ®enu^ 
3)er  9iuf)  entfagte,  nac^  ber  ©d^tac^t? 

(5r  faßte  tüeifen  ©c^tuß. 

65        [109]  ©en  f^einb  bei)  S^oßbac!^,  ben  fein  Irnt 
i8erüf)rte  mel^r,  atö  f(^tug, 
§aft  311  6armt)er3tg ;  unb  ben  ©c^warm, 
S)er  §ofratl^§tt)affen  trug ; 

©er,  armeö  ©aAfen,  bei«  35arlJar, 
70  (S?er»)üftung  ^etc^net  il)n,) 

9?td^t  aber  bein  Qrretter  icar, 

3)en,  23rüber,  ücß  er  flie^n! 

[110]  35or  uns  ging  er  t>on  9?oßbac^  ab, 
35or  il)m  ging  ©cf^recfen  I;er ! 
75  S)en  ZaQ,  ben  er  unS  S^tutie  gab, 

3)en  t)atten  lüir,  ni^t  er ! 

©r  get)t  auf  feiner  ^elbenbafjn 

Unauf^altfam ;    er  get)t 
©0  fort,  aU  tjätt  er  nid^tö  gettjan, 
80  33ig  er  am  (Snbe  ftei)t. 

[111]  2öir  trafen  ifin  bet)  ®roffent)at)n, 
Unb  Ijörten,  toor  it)ni  l)er, 
!5)en  i^Iücf)tigen  um  ^eben  fc^reljn. 
(Sr  gab  tt)m  ?eben;   Sr! 

85  S)en  fjabbtif,  tüelc^er  nad)  Serün 

©eö  Krieges  ©reuet  trug, 
2)en,  trüber,  fatjn  n^ir  aEe  fliet)n, 
J)a§  i^m  baö  §erje  fc^tug. 

[112]  'äui)  x&ax  mit  feiner  §elbenfd)aar, 
90  §etb  2Ttarfd^aII  nic^t  ju  fel;n; 

(gr  fam  batoon,  bie  Urfad)  lüar, 
(Sr  tief,  tüir  mußten  getjn. 


tO.  Sieb.] 


29 


Sir  famen  ot)ne  üeinen  ^rie^, 

3)enn  5ncbrid)  i»ar  »oran! 
2Bir  famen,  fingenb  unfern  ©ieg,  95 

5öei)  unfern  ^rüfcern  awl 

[113]  ®a  maUete  ber  gelben  58Iut, 

3u  fef)n  ben  äReufdjenfreunb ! 
3)a  tDar  ifjr  2(uge  (auter  ©tut, 

Unb  fuc^te  feinen  ^einb !  100 

®en  fanben  trtir  fonft  aüeseit 

2luf  l^o^em  O^elfenfilj, 
■3n  Magern  61öber  ©id^erfieit, 

Umfc^anset  mit  @efc^ü<j ! 

[114]  2Ba8  fjalf,  ©oüin !    bem  ©renabier  105 

Sieghafter  gelben  9Wutt)? 
3u  mut^^ig,  trüber,  gaben  ioir 
@e6irgen  unfer  33tut! 

-3e^t  aber  ö)urben  air  oerlac^t, 

Unb,  ftols  auf  i{)re  ^a)^i,  110 

33efd)(offen  fie  jum  ^elb  ber  ®c^(a(^t, 

S3(ac^fe(b  baö  erfte  maijl 

[115]  3^^  fe»)ern  groffeö  ©iegeSfeft, 
3u  Sien  bef(^(offen  fie; 
|)um!    fagte  daxi,  ber  tieine  9teft  115 

■3ft  unfer,  morgenfrüf) ! 

33rac^  auf  mit  feinem  groffen  ^tix, 

2)ag  in  ©ebanfen  fd)Iug; 
®d)iDarj  30g  e6  bro^^enber  ein!^er, 

2ttä  S)onnerrco(fenjug ;  120 

[116]  33ig  e§  mit  (Sonnenuntergang 
©ic^  rul;ig  nieberüe§, 
Unb  Sari  ben  9(benbfe(bgefang 
®ie  "Pfeifer  bfafen  ^ie§. 

3)a  ftü^tc  mit  ber  Ötec^ten  fic^,  125 

Sn  ftot^er  ©iegeörul^. 


"^^  [10.  Sieb. 

5)tc  ungeljeure  2a\i  auf  bid), 
!l)u  ftetneS  92te))etn  bu  ! 

[U7]  ®u  afcer,  ®otau!   jtttetteft 
130  2ln  i^rer  (tnfen  ^anb, 

2118,  2;age8  brauf,  bet  fteine  9teft 
2)tr  gegenüber  ftanb! 

S)enn  fortgebracht  burrf^  ^rtege§fcf)ritt 
(SI),  a(8  fie  \id}§  ijerfat^, 
135  ©tattb  er,  er  ftanb  mit  ftarfem  Stritt, 

ön  langer  9}fauer  bal 

[118]  Söetc^  ^ol^er  föunberbarer  ©lanj, 
Un8  allen  njunberbar, 
(Srflillte  ba  bte  @egenb  gan^, 
140  SBo  ber  ©efalbte  toar! 

2Bo  @r,  ber  ®eift  öon  unferm  §eer, 

Slnorbnete  bte  ©d^Iati^t, 
©ab,  0)0  ju  übertDtnben  icär, 

9Jlit  üetner,  groffe  gjiacbt. 

145        [119]  (Starr  mit  ben  klugen  ftanb  ber  i^einb, 
5It8  er  'iiin  fa'^,  toie  toir; 
2ßa8  toar  e§?   ©darnebte,  SpfZenfAenfreunb, 
Sin  Gngel  über  bir? 

2ßar  er  im  SBetter  beS  ©efec^tö 
150  ©ein  Snget?   ©d^ü^t  er  bic^? 

®i4  2uft  beg  menf(f^acf)en  @efc^tecbt§ ! 
3)i6,  unfern  ^rieberid] ! 

[120]  §at  er  bein  groffeS  öerj  erfüllt, 
g^it  njeifer  2a_^ferfeit? 
155  2Bie?   ober  mar,  im  ©lanj  getjüUt, 

@ott  felbft  mit  bir  im  ©treit? 

(Sin  2Bunber  aller  Slugen  h>ar, 

3ll8  toir  bid)  toieber  fa'^n, 
S)a^  taufenb  fc^redüd^e  ©efatir, 
160  ®it,  Dater !    nic^tö  gett;an. 


31 


[121]  ^ti}n  taufcnb  S)oiiner  Brad^en  (o§, 
3el^)n  taufenb  folgten  nad) ; 
@ro§  toar  be^  SobeS  (Srnbte,  gro^! 
?aut,  taufenb  SBel^  unb  2ld) ! 

Unö  fc^recfte  fürd^terlidj  @efd)ülj ;  les 

®u  füf)rteft  uns  barauf! 
9Hd^t  2)onnerf(^tag,  nic^t  rotfjer  S3ü^, 

§ielt  beine  Reiben  auf. 

[123]  2lud)  folgt  unö  tu  ©efaljr  unb  (Streit, 

!S)ein  tapfrer  5crbinanb,  ivo 

3u  fterben,  ^elb !    mit  bir  bereit, 
2)en  Slob  fürS  S3aterlanb! 

2Bie  fc^twarjer  Sobegengel  ©c^aar, 

^[o!^n  gelben,  bereu  2lmt 
S3efe:^I  an  ung  ju  Bringen  toar,  175 

2)ic  Slugeu,  ioie  geflammt. 

[123]  (Sin  2öort,  fo  t^ten  9to^  unb  Wlam, 
3)a8  ganje  2::obe§it>ort ! 
@rif  bonneröoEe  (Sdiangen  an, 

©d)tug  beine  g^einbe  fort !  iso 

©raufame  Jriegerifc^e  ?uft 

3u  tobten,  toar  nod)  nic^t 
©efommen  fonft  in  unfre  58ruft, 

©etreten  inö  @efi(^t. 

[124]  3e<5t  aBer,  Dater!   fjatten  toir  iss 

9?id)t  ^erj,  ujir  l)atten  SButi),  \ 

2Bir  fal^n  ben  ?5^einb  mit  ä)Jorbbegier, 
2Bir  bürfteten  fein  «(ut! 

2Bir  ftam|}ften  2;obtenboaeg  ^^^'c>, 

3u  l^aben  Hutgen  ©ieg !  190 

Söarum  em|3Ört  bie  gange  2Be(t, 

©ic^  h)iber  bi(^  in  Ä'rieg? 

[125]  2Bir  brannten  alle  i^euerrotl^, 
^odj  f)ob  fid)  unfer  $erj! 


32 

195  2Bir  toaren  ade  [auter  Sob, 

Unb  £ob  toar  unfer  ©(^erj. 

3u  räd^en  jeben  Xro^fen  53tut, 

!J)er  unter  Beoern  flo^, 
2Bar  aüeg  geuer,  [c^äumte  2öut^, 
■200  (Schnob  Ü^at^e  9)?ann  uub  dio^l 

[126]  Uumenfcf^üd)  gafeen  to'xx  ntc^t  nie^r 
■Dem  bitten  unt  bem  »"^lel^n 
S)er  Äuieenben  cor  uuiS  (3ef)ör, 
©0  f(^nett  eg  fouft  gefAe^n! 

205  2öir  Rotten  auf  ber  f(^neUen  gluckt 

3)eö  i^etube6  f^erfen  ein ! 
Sßarum  trar  er  »otl  ©iege^fui^t  ? 
©eftrafet  mu^t  er  i'ei)n ! 

[127]  9^i(^t  Sieger,  menfc^Ut^eS  @eicf)(ecf;t, 
210  @lüt)n  iDtber  fic^,  toie  bu! 

2ßir,  aJJenfc^en,  riefen  im  ©efecfjt, 
©terbt  ^unbe !    SO^enfc^en  ju. 

2)oc^  ^riegeSmufe !    finge  nic^t 
S)ie  ganje  9)?enfc^enic^(ac^t ; 
215  5ßrtc^  ab  baö  fcE^recfüc^e  @ebid)t, 

Unb  fag:    (S^  tourbe  9h(i)t! 

[128]  Unb  fage:    5ricberid}  bcr  fjelb 
2)ac^t  einfam:    „©roffer  ©ieg, 
„S3erebe  boc^  bie  gonje  2Be(t, 
220  „S^  enbigen  ben  ^rieg ; 

„2Bei(  (Sott  mir  fi^tbar  ^itft,  mein  §eer 
„2)ur(6  ilm  bie  (Bdjiaift  getoinnt, 

„Unb  3Sö(fer,  toie  ber  ©anb  am  9}ieer, 
„3i)m  ©preu  im  SBinbe  finb!" 


[10.  Sieb. 


11.  Sieb.]  ??-_ 

[131]  ficb  11 

on    bie  Äa^fcrin  5  tönigin  tiai^   SBicbrnroBcrung    bcr 
(Stobt  ©rc§(ou  bcn  19ten  ^cccmöcr  1757. 

9Jun  K'[d)(teffe  beinen  trieg, 

tat)[er  =  Königin ! 
©ieS  3)ir  felbft  ben  fd^önften  ©ieg! 

SBerbe  ©tegerin ! 

[132]  Uekrtt^inbe  3)id)  unb  gteb  5 

5menfd}üd)!eit  ©el^ör ! 
^afce  beine  S3ö(fer  lieb  ! 
Opfere  nid)t  me^r ! 

Unfern  5ricbrtd^,  ber  ein  ^elb, 

2)er  aud)  SBeifer  ift ;  lo 

3)er  ein  äöunber  ift  ber  SBelt, 

2Bie  ®u  fetber  bift; 

[133]  ©er  geredete  SBaffen  trägt 

3nö  @efed^t  mit  3)ir, 
Wü  unö  fomnit,  nnb  fielet,  unb  fd^tägt,  is 

Sa)5ferer  alö  h)ir; 

§e(bin,  ben  bejtoingft  bu  nt(^t : 

©Ott  fann  2ßunber  t^un ! 
<Sd)enf  Qi)m  ^^reunbeöangefic^t, 

5Biete  ^rieben  nun  !  20 

[134]  SBiüiger  xoax  nie  ein  ^e'mti, 
S^einben  gu  ter,5eilm; 
©d)neller  nie  ein  9)?enfd)enfreunb, 
2luögefi5()nt  ju  fet)n ; 

9?ie  ein  grö^rer  i^einb  ber  (S(^tad)t,  25 

Unb  ber  ^elbentl;at, 
'als  ber  §e(b,  ber  ©eine  9)?ad)t 

UeberiDunben  t)at ! 


üitteraturbentmale  be§  IS.  3a^r^unbert8.    4. 


Jttl)ttlt. 

Seite 

iBe^  (SrBfnung  beS  ^elbsuges  1756 1 

©tegeSlieb  itac^  ber  ©c^Iac^t  be^ ?ottjoft^,  bett  5tcn Octofcev  1756  9 

©c^tac^tgcfang  fce^  ßvöfnung  bc§  jjetbpgeg  1757   ....  27 

©(i)tad)tgcfang  »oi*  ber  <Bä)laä)t  bei)  '^rag,  ben  6ten  Stiaij  1757  33 

©tegeSUeb  naä)  bev  ©c^tat^t  hcc)  "^xag,,  ben  Sten  Mat)  1757  39 

©d^Iad^tgefang  öor  bemStveffcn  Beij  Sottin,  ben  18. 3uniu8  1757  49 

Sieb  nac£)  bev  ©d^lad^t  be^  eotün,  ben  18tcn  Suniu«  1757  53 
§evau6fDrbrung§Ueb  tiox  ber  ©rfilacftt  fcet)  9tDpa(^  am  4ten 

92oüeml6er  1757 61 

©tegeslieb  nac^  ber  ®c^(ac6t  be^  9iD§fca(^,  ben  5ten  DiO' 

toember  1757 65 

@tege§lieb  nac^  ber  @c^(ad^t  bc^  2t[[a,  ben  5ten  Secember  1757  99 
Sieb  an  bie  Äa^ferin'Ä'cnigin  nac^  Stebereroberung  ber  ©tabt 

33re8tau  am  19ten  Secember  1757 129 


Der  (Srtnabier 


an  bie 


Ä  t  i  e  8  e  1^  tti  u  f  e 


nacf>  benx 


ben  25.  5(itguft  1758. 


[Vignette.] 


1759. 


[3]  ^n  hu  äxU^tsmwft  12 

nö^  bcr  Jiicberloge  bcr  Oiuffcn  fic^  ^ornborf. 

[5]  Sßaö  [iel^eft  bu  [o  fd)üd)tevn  nad)  mir  I;er? 

©d)eut  eine  Äriegegmufe,  rte  ben  §elb 

©0  tief  in  [eine  ©c^tad)t  begleitete,  ^^^^ 

SD'Jit  it)m  auf  ^eid^en  unerl'd)voden  gteng, 
[6]  2Bie  (Sngel  (Sotteö  in  ©eirttttern  ge!^n,  5 

3'^n  ein3uf)oIen,  wo  er  it^ar,  ju  fetjn, 

3n  forfd}en  feine  S(;aten  überall, 

J^on  Öeic^  auf  ^eid)e  groffe  (Schritte  tljat; 

©(^eut  eine  foId;e  9)fufe  33(ut  ju  fefjn? 

[7]       (Stimm  an,  üerensige  ben  groffen  XaQ,  10 

5ln  vueldjem  S3ater  ^ric^^nd]  fein  ^oit 

Errettete,  burd)  göttUd}en  ©efang! 

9Hmm  bie  i?eriüai)fte  Se^er  üon  ber  Söanb, 

llnb  mifdje  ftarfen  SlriegeiSton  barein, 

Hub  finge !    §e(b,  (So(bat  unb  '';|3atriot,  15 

[8]  (£tef)  um  bid)  t)er  unb  l)öre,  lauter  Ol^r! 

58emunbernb  ©otteö  5:i)aten,  5i'ie^rid]5  '^Jlntl), 

2Benn  er  fein  33ater(anb  ju  retten  ge'^t, 

Unb  lerne  Ö)ott  unb  ;?rtcbcrid)  toertraun. 

®enn  ftanbeft  bu,  Berlin!   nic^t  ^atb  »erjagt,  20 

[9]  2lfö  ber  gehonte  9?äd^er  nur  »erjog, 
Unb  Tfiäiitcn  unö,  langfame  ©ieger,  fa'^? 

33or  beinen  Singen,  Uebertoinber  X>aun!  — 
2Bie?   ober  prft  bu  lieber  anbrer  ^aBius 
®ic^  nennen?  —  tagen  tuir  unangejtüacft  25 

[10]  ©ec^g  SBoc^en  lang ;  unb,  atte  2;aufeube, 


^_ [\2.  Sieb. 

S)ie  bu  betieBeteft,  burd)  einen  ©trid) 

3m  53ud)e  beutet  Xljatm,  in  ba§  9ietd^ 

3)er  ©d^atten  gu  üerfe^en,  lebten  l)od) 
30  Unb  lieffen  beiner  fdjönen  Slaiferin 

'^odavjtx,  nac^  ber  Slriegeö  ^Irbeit,  [id) 
[11]  @utfd)niec!en,  tranfen  anf  be^^  gelben  SBot}!, 

2)er  5ric^crid^  tft,  ntd)t  ^annibal,  ein  ®ia%- 

Unb  rü'^reteft  bu  bid^  in  beineni  9?eft, 
35  ©0  jagte  bid)  ber  tapfere  ^ufar, 

Stn  iDeine  :^od)üerfd)anl^te  /^elfenbnrg, 

2lnf  h)eld)er  bu,  mit  beinern  fetter  Vaun, 
[12]  S'in  @raf  h3ie  bu,  ber  beine  S^baten  tljut, 

33etrac^tenb  un§,  unb  beinen  fjamtibal, 
40  £)ft  ftanbeft,  bad)teft,  nie  erfaf^eft,  voie 

^on  bir  ein  ©treic^  il^m  gu  üerfe^en  fei). 

2)u  aber,  guter  alter  2Har[d]att!    toarft 
[13]  Sn  beinern  Croja,  fjcftor.     irieörid?  fetbft 
©ab  beinern  Dramen  (Sn)igfeit,  unb  fd)rieb 
45  (Sin  anbrer  (Eä[ar,  beine  STljaten  an ! 

To(^  er  unb  KcitI]  unb  2TEori^  waren  metjr 
%U  ^tgamcmnon,  Heftor  unb  Uly^, 
Unb  !)ätten,  ol)n  ein  unge^eureiS  ^^ferb, 
[14]  3)nrd)  äRutf)  bid)  übern^unben,  nid)t  burc^  ?ift, 
50  Sofern  nid)t  ©Ott  ber  §err  gen)oHt,  baß  wir 

5lblaffen  fotlten.  — 

^odjgelobet  fet), 

25on  unö  unb  beinern  ^riebcrid^,  o  ©ott ! 

3)aß  bu  auf  unfern  ebnen  ©iege^^tueg 
[15]  (Sin  (2)IImü^  fteüeteft  unb  einen  ^e(b, 
55  3)er  h)ie  ein  braßer  9}?ann  fic^  ftyeljrete, 

3n  feine  ^o{)en  SBatt'  unb  SJJanren  gabft! 

3)enn  gabft  bu  eS  in  unfre  §anb,  fo  icar 

^ein  2öeg  »or  uu§,  aU  nad)  bem  ftot^en  IPicn, 

©0  Ijatten  xoiv  unö  atlgutoeit  entfernt 
60   [16]  23on  nnferm  SSaterlanbe,  beffen  ©d)u^ 

2Bir  finb,  na6  bir,  o  ©ott !    <Bo  tn'äxe  tooi^l 


QQ 

12.  Sieb.]  "^^ 

3}a8  3lc^  unb  2ßel;,  ber  Kammer,  ba«  ®efd)rel) 

jDet  2ßet6er  unb  ber  .^hiber,  tt)eld)e  tüir 

3urü(f  ßelaffen  ^tten,  allju  fpvit 

Uns  nad)  erfdjoden.    5n^^nd]  ^ätte  njo"^!  65 

[17]  3)eS  i^atertanbeö  9iuf  um  SJacfie  nid)t 

3u  ted)ter  3^^^  ""^  ©tunbe  ba  geijört, 

2Bo  um5ut'el)ren  toar !    ®arum,  o  ®ott ! 

©et)  eiutg  bodigelobt  toon  un8  unb  3l}m, 

©em  3»*tii]er  ber  53o§f)ett  eineei  S3otfö,  70 

®a8  nod)  3u  ä)cenfc^en  nid)t  geiüorben  ift, 
[18]  3)td)  no(^  ntc^t  fennt,  bal^er  gebogen  hm, 

Öet§f)ungriger  atö  ein  ^eufc^reden  ^eer, 

?IJJtt  trägem  akr  gtftgem  ®d)necfengang 

Sn  fein,  o  @ott !    üon  bir  gefegnet  ^'anb,  75 

Um  eine  ^ekntofe  Söüftenei) 

ßin  Sanb  be8  g^(ud)e8,  eine  ©te|?^e,  gtei(^ 
[19]  3)en  Steppen  feiner  ^al)fertn  bafauö 

3u  mad)en.     ?angfam  gog  e8  fo  ba'^er, 

2Bie  burd)  frudjttareö  ^elt  in  Slfrica  8o 

©iftüoHer  groffer  ©d^Iangen  ©eere  jieljn; 

3)ci  ftel;t  auf  Beleben  Seiten  il)re§  3"9'^ 

(Srftorbneö  ®raB,  ba  ftef)t,  fo  toeit  um^er 
[20]  'äl^  tt)re  33äud)e  !rie(^en,  aüeS  tobt. 

5?on  Zfiemcl  Ui  Cüftrin  ftanb  ;?ricbrid]s  Sanb  85 

©0  ba,  »ertoüftet,  öbe,  traurig,  tobt. 

5(llein  ber  §e(b  toerna^m  jn  red^ter  32tt 
3n  feinem  §aug  oon  ßeintuanb,  auf  ber  33a^n 

[21]  5)eg  (Siegel,  beinen  bangen  fAioad)en  9?uf, 

D  33aterlanb,  ^u  @ott,  unb  i^m!    Unb  ftradö  9o 

2Bar  fein  ©ebanf  allein  an  bid) !    (5r  gab 
3)em  gröffern  t^einb  ein  toenig  ^uft,  unb  flog 
Wit  einem  fleinen  eblen  ^etben^eer 
3)a^in,  too  fein  gequältes  bangeS  Sßolt 

[22]  9?a(^  i^m  fid^  umfa^;  betete  für  i^n,  95 

Unb  fc^tour  gefieim,  in  mancher  ^JobeSangft, 
58 lieb  i^m  auc^  armeS  matteS  ^eben  nur, 


40 

^"  [12.  Sieb. 

jtro^  oHer  g^elnbeö  2But^,  getreu  gu  fei)n 
!Dir,  ©Ott !    unb  beinern  Siebltng,  tceld)em  bu 

100         3"^ieber  atter  2Be(t,  mit  beiner  Wla(i)t 

[23]  9ied)t  fd^affeft,  ©ieg  üerlet^l^ft.     ®a  f(oi3  er  t;tn ! 
^am  an  in  bir,  bu  <Bi^  ber  9)^u[en !    too 
Baumgarten  5riebrid]5  2i>ei§{)eit  Iel)rt;  fjielt  [tiU 
SSor  einer  niebern  §ütte,  fa^  baö  9io^, 

105         ®a8,  einen  fo{d}en  C^elb  ju  tragen,  ftolj, 
9^id}t  mübe  »on  bem  langen  i^fuge  iDar, 
[24]  :Dafe(b[t  ein  l»enig  aui^juru'^en,  ab, 
©ieng  in  bie  ofne  niebre  §iltte,  fanb 
(Sin'  arme  fromme  SBitttoe,  bie  ju  @ott 

110         %üx  ben  ©efatbten  eben  Betete, 

©af3  neben  it)x  auf  einen  garten  <2ii?, 
9'Ja'^m  einen  Söaffertrun!  auä  i^rer  ^panb, 
[25]  ©taub  üor  ber  fleinen  X^üx  ber  §ütte,  üe^ 
©ein  ebleg  ^etbenljeer  DorüBer  jieB/n, 

115         ©tieg  auf,  folgt  i^m  ben  2Beg  ber  9^ac^e  nac^, 
©a'u)  bie  Üfuinen  ber  getreuen  ©tabt 
3n  Ujeldjer  er,  ein  fünftger  ^önig,  einft 
®ir,  2Bei§!^eit !  in  bie  5lrme  fie(,  unb  fic^ 
[26]  @ntfd}lo§  3U  fei)n,  ein  33ater  feineö  53oIf3, 

120         3"  tragen  ftetö  in  fönigUc^er  Sruft 

(Sin  fanfteS,  menfd)lid)S  ^erj !    2)amal8  aU  er 
2)er  greunbfd}aft  2:t}ränen  joUte !    f  am 
3»n  ii)rem  ^Ifd^en^aufen  an !    O  ®ott ! 
2Bie  jammert  eö  bem  SSater  feineö  ^olfS 

125  [27]  3)ie  ©tabt  nic^t  mel^r  ju  fe^n !    S^m  anbernmat 

Söeint  er  in  i^r,  ani^t Sin  Slönig  toeint? 

©ib  if)m  bie  §errf(^aft  über  bid),  o  Seit, 
3)ien)eil  er  lueinen  fann !   —  öebodj  ber  S3ad> 
!5)er  §e(benaugen  f(o§  3U  lange  nid)t, 

130         :^er  2;t)ränen  ©teile  na!^m  ein  glüenb  dlofi) 
[28]  3m  feurigen  ®efid)t ;  gered)ter  3"^^" 

ßntftanb  auS  HDnigIid)em  9}fitteib  ftradö. 

@r  tßanbte  fid^  ju  feinen  Reiben,  fd)n)ur 

©ein  räc^enb  ©d^n^erb  gu  jüden,  unb  mit  ®ott 


41 

12.  ßieb.] 

3u  jüc^ttgeu  bte  genfer  jeineö  ^olfö !  135 

[29]       gür  jebe  2:f)väne,  f^vac^  er,  flteffe  mir, 
(Sin  Strom  »on  itjrem  S3(ut,  unb,  e'^e  [et), 
!J)u,  meines  3'^^"^^  ^(amme,  nic^t  gelöfdjt ! 

(Sr  ftanb,  a[€  er  eö  fc^hjur,  nodj  au[  bem  2BaII 
3)er  unfcejir^ungnen  SJefte,  [a!^e  ftarr  uo 

[30]  Wxt  v^elbenaugen,  fäf)ig  burd)  ju  [e'^n, 
2ßaS  ©ötteraugen  fünft  nur  fid)tbar  ift, 
9la(^  bir,  bu  ^ager  ber  S3arbaren,  ):)'m, 
(Sin  O^erngtaß  in  ber  §anb,  \ai),  xoit  er  bic^ 
SBertilgen  !önnte,  \di}  e8,  ftieg  l^erab.  145 

[31]       Unb  Sageä  brauf,  mit  Sonnenaufgang  gieng 

Sein  §elbenf)eer  ftiü  ü6er  beinen  Strom 

S)u  ®ber!    i^lo^eft  bu  fo  fanft,  h^eil  @ott 

@ö  bir  gefeot,  bie  §e[ben,  bie  bu  trugft, 

9?ic^t  aufjuf^atten  ijjt  auf  i^rer  ißafjn?  i5o 

Sie  fangen  beinern  @ott  ein  9}?orgenüeb 
[32]  Unb  famen  tt)o^[  Bellten  über  bic^ ! 

2Ba8  gittertet  xi)x  ac^tjig  Saufenb,  ba? 
33el)m  SlnbUcf  unferer  oon  Sobeöfdjaur? 
Sßeld)  eine  tiefe  Stiüe  marb?   2Baö  n)ar  155 

2)a§  [eifere  (55emurmel  unter  eud)? 
[33]  Qa,  ja  ber  Sc^reden  (Sbtteg  überfiel 

2)ic^,  ^eer  ber  fc^red(i(^en  ^^eraüfter,  fd^neü! 

2llg  bu  ben  groffen  9?ä^er  fommen  fal^ft, 

®ie  5BIutfaI)n  in  ber  §anb,  bie  er  noc^  nie  leo 

2)em  ebtern  ^riege§feinb  entgegen  trug, 
[34]  2)a  ftanbeft  bu  betäubt,  er  ftarr  et,  ftumm, 

2)ie  2(ugen  h^eggetoanbt  non  bem,  ber  fam, 

2Bie  unter  SBetteriüolfen  Sünber  ftet^n, 

3)ie  ©otteö  ©onnerftral^I  auf  itirem  ^aupt  les 

Srroarten.     33angigteit  unb  ^urd^t  unb  2(ngft 

§tel,  plöi^üdjtx  al§  eine  (Sentner  ?aft, 
[35]  3n  aÜer  beiner  groffen  §e(ben  33ruft, 

Söarb  gröffer  ftet^S,  je  me^r  ör  nätjer  fam! 


42 

[12.  Sieb. 

170  3ufamntenftecfenb  iljre  ßöpfe  ftanb 

Qi)x  groffer  ^aufe;   iermor  fc^ütteüe 
©ein  grauet  Öaupt  bretjmal ;    fie  jitterten ; 
~     3"f^Öt  voax  i\)x  ter3tr»eiflenber  (5nti'd)(uß, 
[36]  Sin  groffeö  53terecf  uiib  ber  ^ob.     9htr  bu, 

175         @raitfanier,  ber  ben  2BaK,  onftatt  ber  ©tabt, 
33erfc(}onete,  toergnügt  [ie  brennen  [af), 
21[uf(ad)ete,  luenn  3ld)  unb  2Bet)  jugtetd) 
Tlit  t(}ren  stammen  ^u  ben  SBoIfen  ftteg, 
Söenn  fd)tüarjer  Dampf  fie  gu  erftiden  fd)ien, 

180  [37]  lTnmenf(^lid)  neue  vf)DnenfIaminen  fd)uf, 
2Barfft  beine  3ünbefade(  auä  ber  .^anb, 
(Sntf(ot)eft  auf  bein  9^oß  gefc^wungen ;    toarft 
3)em  Xci  entronnen.     3l6er,  ^er^enöangft 
®a§  mit  auf  beinern  9?o§,  unb  \loi)  mit  bir 

185         2ßeg  auö  ber  ®d)(ad}t.  y?nn  träumft  bu  .*pöü  unb  Sob, 
[38]  Unb  aüe  i^fammen,  ir^etd^e  bir  jur  ?uft, 
®er  ?Olenfc^en  2Bof)nungen  üer^el^reten, 
©ie^ft  bu  3ufammenfd)(agen  ükr  bir. 
2)ein  ganjeS  ?e6en  fei)  ein  foId)er  ^iraum ! 

190         3)ie  3)^enfd)^eit  fel^e  fid)  baburc^  geicäc^t, 

2Beit  mel;r  alö  burc^  beö  ©dilDerbteS  fc^netten  Xot 
[39]  !Den  eö  Sefiegten  oft  barmt^erjig  ft^endt! 

(S^affmnden  unb  (Sofaden  fre^  e8  fd)nell ! 
OualüoIIeg  (angeö  ?eben  aber  fet) 
195  \  y  S)aö  ?ooä  ber  ©äupter  ükr  fie,  bie  fie 
,X    2Bie  jl:iegert^ier  auf  3J?enfd)en  l;e^en,  Surd)t 
[40]  33orauö  3U  fenben  ükr  ©tabt  unb  ?anb 
2Bol)in  ber  Krieger  feine  2ßaffen  trägt! 
9?id)t  beineg,  §e(bin,  bie  fic^  auf  ben  S^ron 
200         2)eö  groffen  5^ater8,  o^ne  ©d)tt)erbte§  Schlag, 
3u  fe^en  u>u§te;    lauter  @nab  unb  $u(b 
2Bof)in  fie  fie^t,  ausbreitet  um  fic^  l}ex ; 
[41]  53on  ä)^enfd}enmartern,  Oual  unb  ^ein  unb  STob 
©tetg  t{;re  SO^afeftät  toegtoenbet ;  ^lut 
205         92i^t  feigen  toill,  um  ifjren  3:^ron  nid)t  fie^t: 


43 

12.  Sieb.]  

Xexm  bu  gabft  ntd)t  ten  fcfcrecEUd^en  Söefet)!: 
2)te  2Bütrid)e,  bte  c^enfer  behieS  9teid)^, 
3)ie  nod)  ju  9)?enfd)en  nid)t  geworben  finb, 
[42]  Saümucfen  unb  Sofacfen  fottteit  3iel;n, 

•ön  ?[Reufd)entanb,  ju  imitn  tutber  fie,  210 

^u  fei)n  bte  Zen\d  beinet^  ^rtegeiol^eerö ! 

3ebod),  fie  I)aten  tfire  ©träfe  f)in ! 
Xe^  &iäd)erö  8d)iüerb  fra§  fie  »ie  bürreö  ®ra§, 
[43]  33et)  Si'aufenben,  bie  .^^i^Cte  w^^}i"  fi^  <Juf ! 

©c  (ange  bu,  0  ^Lviter,  üor  unö  I;er  215 

5)te  fc^ted(id)e  23lutfal}ne  trugft,  luib  nic^tö 
3n  beiner  'äxhät  für  Daö  33aterlanb 
üDein  ^e6en  ad)teteft,  fo  lange  ffof? 
[44]  %üx  jebe  X()räne  beineö  5>o(feei  ^Int, 

©0  lange  fAlng  ba^  rä(^erifd)e  ©d)roerb  220 

9?id)t  beinen  fonbern  aller  93?enfd)l)ett  "i^einb, 
Unb  ntät)ete  bie  ungel;eure  Srut 
Unmenfc^en  hjeg,  au^  beineö  @otte§  2öelt. 

[45]       3)er  dngel  ber  bei)  Ciffa  feinen  ©tan^, 

Um  ben  ©efalbten  gtän^ue,  n)ar  and;  iljt  225 

©ein  ©d)u^geift.     9ia^er  fa'^  ic^  il^n,  a(ö  bort, 

(är  trug  im  fd^öneu  Sngelangefii^t 

3)eS  groffen  5ricbrid]  IDill^elms  9JJiene  ganj. 

[46]       3luS  einem  ©trome  fc^toarjen  9)?örberbtutö 

2;rat  ic^  mit  fd)euem  %ü^  auf  einen  53erg  230 

^on  Seichen,  faf^e  toeit  um  mid)  Ijerum 
9htn  feinen  gu  erfd)(agen  mel)r,  ftanb  "^od^ 
Wit  Ijoijem  ^aU,  lüarf  einen  id)avfcn  33lirf 
S)ur(^  2ßolfengleid)en  f(^iDar3en  1)ampf  ber  ©c^Iac^t 

[47]  dlad)  bem  ©efalbten,  I^eftete  auf  il^n,  235 

Unb  ben  ©efanbten  ©otteiä,  feinen  ©Aul?, 
2)ie  Stugen  unb  ®ebanfen  feft.     Unb  ia, 
3)a  tuar  ei%  9)hife,  (benn  bu  tcareft  nidit, 
2Bo  nur  erfd)(agen  nid)t  Befieget  lü.irb) 
2tt§  mid)  ein  2)förber  traf,  a(ö  faft  jugleic^  240 


'^'^  [12.  2ieb. 

[48]  3)er  eble  VanMmann,  ber  junge  §elb 
Unb  Patriot,  ^tnfanf,  ben  fAönen  Xoh 
i5ür8  S3ater(anb,  nid)t  mmiüfommen,  ftatb, 
3id)  aBer  i{)n  gu  [ter6en  noc^  niAt  reif, 
245         Sßlit  biefer  2Bunbe  Iceg  getragen  toarb. 

[49]       ©ing  eS,  o  2J?ufe,  finge  @otteö  3°^^/ 
Unb  5nebrid]5  SOZutf).     -Snbeffen  freitet  fie 
©efc^tüinber.     ©ein  ©efang  kfänftige 
5)en  §öllenfd)nter3,  er  mrtd)e  ba^  ber  9J[rm 
250         3)er  t)ter  getunben  ntü^ig  liegen  mu§, 
33alb  hjieber  frei)  fei),  für  ia§  3?aterlanb 
[50]  3"  ftreiten.     3^eine^  eblen  ^^reunbeö  Xoh 
9xad)t  er  an  ben  33arKrren  auc^  nod)  gern, 
2Benn  nur  baö  ®d)lt>erb  nid)t  aüe  toeggeraft. 

255  ©Ott  ater  er  nid)t  nneber  ftreiten,  fott 

[51]  3d)  nid)t  ben  ^riebenöenget  fominen  fef)n, 
9^id)t  im  Trium^^f  ben  unBeftegten  §etb 
Segfeiten  nad)  Berlin,  nii^t  ber  fjomer 
3)eö  gijttnd)en  2ld]iIIc5  lüerben :  ®ann, 
260         ®ann,  liebe  9)?ufe,  toeine  nur  um  mii^ 

©in  fleineö  Sieb,  bann  leBe  h)ot)t,  o  SBeltl 
[52]  Qn  hjetc^er  tüieber  einen  ^ri^^^nd^ 
3)er  (ärben  S^önige  toerfd^tßoren  finb. 


[Vignette. 


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üruck  von  Fischer  &  Witlig  in  Leipzig. 


PT 
1888 
P7 
1882 


Gleim,  Johann  Ullhelm  Ludwig 

Preussische  Kriegs lieder  von 
einem  Grenadier 


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